30. Dezember 2010

Singapur liest



Den tropischen Stadtstaat am Südchinesischen Meer verbindet man eher mit Hochhausdschungel und Einkaufsparadies als mit Büchern. Doch jährte sich im Dezember 2010 zum fünften Mal das Singapore Bookfest. In einer Halle des Suntec Convention Centre bot Popular Holding, die Buchhandelskette mit Verlag, auf 9.300 m² Fläche 200.000 chinesische und englischsprachige Titel an.


Partner war die China Publishing Group aus der Volksrepublik China, Bestseller das Marathoninterview des amerikanischen Journalisten Tom Plate mit Lee Kuan Yew, dem Architekten der Erfolgsstory, die Singapur heißt.



Lesen Sie mehr über meine Eindrücke und mein Interview mit den Messeverantwortlichen unter http://www.boersenblatt.net/407968/

6. Dezember 2010

Hochhausdschungel im Tropenparadies

Affen turnen in den Bäumen, Vögel flöten, und zwischen Lianen schimmert grünlich ein See. Wären nicht die morgendlichen Jogger und die diskreten Schildchen an Bäumen und verschlungenen Rankpflanzen, ich wähnte mich mitten im Tropenschungel Südostasiens. Doch ein paar Wegbiegungen weiter auf dem Wanderpfad im Urwaldpark und ein anderer Dschungel ragt im Hintergrund auf, die Hochhauskulisse von Singapur. Meine amerikanischen Expat-Freunde kann ich mit dem Blick vom Balkon meiner Wohnung im 19. Stock beeindrucken. Du siehst ja auf die Nature Reserve! Sie sind begeistert. Tatsächlich entfaltet sich vor unseren Augen ein Bild wie es für diesen Stadtstaat am südchinesischen Meer so typisch ist. Vorne eine große Einkaufsplaza, drum herum in üppiges Grün eingebettete Villen, dahinter das dunkelgrüne Band des Naturparks, das aus dieser Höhe wie ein riesiges Broccolifeld aussieht und am Horizont die Wolkenkratzer, höher, kühner, gleißender. Abends glitzern die Lichter der Stadt über dem dunklen Band des Urwalds.

Singapur hört nicht auf zu bauen. Doch es bleibt grün. Eine umsichtige Bauverwaltung sorgt dafür, dass nicht alles regellos zugebaut wird. Die Fußgängerbrücken über die Hauptverkehrstraßen sind mit Bougainvillea bepflanzt, auf den Mittelstreifen wachsen Palmen und blühende Sträucher. Selbst die HDBs, die Hunderte von staatlich geförderten Hochhaussiedlungen, in denen die Mehrzahl der Singapuris wohnt, sind in Grünanlagen eingebettet. So bewahrt sich diese Enklave, die kaum in die Breite, nur in die Höhe wachsen kann und wie der Punkt unter dem Ausrufezeichen der malaiischen Halbinsel wirkt, ein menschliches Antlitz. Dazu trägt auch die ethnische Mischung bei. Chinesinnen im westlichen Büro-Outfit, das i-Phone in der Hand, sitzen in Bus und U-Bahn neben verschleierten, muslimischen Malaiinnen, die ebenso gebannt auf das Display ihres Mobiltelefons starren und neben Inderinnen im wunderschönen, goldbestickten Sari.

5. Dezember 2010

Simbabwe, zum Verzweifeln

Für die alten Gewürzsegler war das Kap der Guten Hoffnung half way house auf der beschwerlichen Reise nach Asien. So mache auch ich im fast heimatlich vertrauten Kapstadt Station auf meinem Weg nach Singapur, dem neuen Mittelpunkt meiner inzwischen neunjährigen Slow-Travel-Weltreise.

Ein Freund nimmt mich mit in den Presseclub. Peter Godwin, Journalist und Buchutor, stellt dort sein neues Buch The Fear vor (London: Picanor 2010). Es geht um Simbabwe und die letzten Jahren von Robert Mugabes brutalem Kampf um den Machterhalt. Peter Godwin kennt das Land seiner Kindheit und Jugend wie Wenige. In den Kindheitserinnerungen Mukiwa und vor allem in When a Crocodile Eats the Sun über das Leben seiner Eltern in Afrika, lässt er uns teilhaben am Weg Simbabwes von der Kolonialherrschaft über die Befreiung bis zum Niedergang. Und er lässt uns seine tiefe Liebe zu Simbabwe spüren.

So auch in The Fear. Um so schrecklicher sind die Ereignisse, von denen er berichtet. Immer in Gefahr, mundtot gemacht zu werden, hat er 2008 Simbawe bis in die hintersten Winkel bereist, mit hunderten von Menschen gesprochen, sich nicht gescheut, dem allgegenwärtigen Schrecken ins Auge zu sehen. So ist ein bewegender Augenzeugenbericht entstanden, von der unfassbaren Brutalität mit der Robert Mugabe mit seinen Hilfstruppen seine eigenen Landsleute einsperren, foltern, verstümmeln, vergewaltigen und umbringen lässt. Der leiseste Anschein, in den letzten Wahlen für die Oppositionspartei, die inzwischen den Ministerpräsidenten stellt, gestimmt zu haben, genügt. Derweil ist die einstige Kornkammer Afrikas so ausgeplündert und heruntergewirtschaftet, dass es an den simpelsten Dingen fehlt. Allein in Südafrika gibt es drei Millionen simbabwische Flüchtlinge.

Wer mehr über Simbabwe im 23. Jahr des greisen Diktators wissen oder helfen will, die Not der Menschen zu lindern, sei auf Peter Godwins Internetseite verwiesen: www.petergodwin.com

I don´t cry for Argentina

Der Tod des umstrittenen Expräsidenten Nestor Kirchner und die Orgie von inszeniertem pomnp funèbre waren die letzten Eindrücke, die ich aus Argentinien mitnehme. Dreieinhalb Jahre ergeben für mich eine eher gemischte Bilanz.

Da ist vieles Gewinnende und manches Irritierende an Argentinien und den Argentiniern. Buenos Aires' pulsierendes Kulturleben gepaart mit der Schönheit landschaftlicher Highlights, wie Iguazu-Wasserfälle, Gletscher und Andenhöhen ergeben ein kontrastreiches Kaleidoskop von Eindrücken. Dagegen sind die Neigung der Argentinier, in der Vergangenheit zu leben, zwischen Klage über die gegenwärtigen Zustände und Selbstüberschätzung zu schwanken, der Mangel an common sense, nicht nur in der Politik, das Ausmaß von bürokratischer Gängelung des Bürgers und von korrupter Ineffizienz weniger einnehmend.

Nein, weinen werde ich nicht über Argentinien, aber drei spannende Jahre waren es dennoch, auch in den Nachbarländern, von der kleinen Schwester Uruguay, einen Katzensprung über den Rio de La Plata hinweg, über den in Argentinien mit gemischten Gefühlen beobachteten Giganten Brasilien bis zum großartigen Peru, zum geschichtsträchtigen Mexiko und zum stillen Paraguay, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

Adiós Südamerika.

27. Oktober 2010

Totenstille

Noch nie in den dreieinhalb Jahren, in denen ich hier an der Plaza del Congreso en pleno centro wohne, war es so still. Kaum ein Auto fährt vorbei. Es gibt keine piquete. Selbst Fußgänger sind nur vereinzelt unterwegs, denn alle Geschäfte und Restaurants haben geschlossen. Es ist Zähltag. Nach neun Jahren der erste Zensus. So begibt sich unsere ganze Hausgemeinschaft in das Erdgeschoss, wo Faustina, die Portiersfrau, einen Tisch für die freundliche Studentin aufgestellt und ihr einen Kaffee gebracht hat, damit sie uns alle in Ruhe zählen kann und fragen, welche Schulausbildung wir haben, ob wir einen Kühlschrank besitzen und wer von gestern auf heute bei uns übernachtet hat.

In diesen stillen Tag platzt die Nachricht, dass Expräsident, de facto-Präsident und Peronistenchef Nestor Krichner in seinem Wochenend-Wohnort Calafate in Patagonien am Morgen verstorben sei. Während das offizielle Fernsehen sofort beginnt, an einer Heldenlegende zu stricken, und sich die ersten Anhänger aufmachen, um an der Plaza de Mayo Blumen niederzulegen, gibt es auch andere spontane Reaktionen. So mancher scheint fast erleichtert zu sein, denn zu sehr lastete das Gewicht des machthungrigen, harten Kämpfers in den letzten Jahren auf dem Land. Wie wird es weitergehen, fragt man sich. Wird Cristina Kirchner, von der es heißt, sie habe nur ausgeführt, was ihr Gatte und Expräsident angeordnet oder eingefädelt hatte, es schaffen, allein weiterzuregieren und sich weiterhin mit allen anzulegen , die sich nicht völlig vereinnahmen lassen, von Presse über Justiz bis zu den Landwirten? Alle sieben Jahre schlittert Argentinien in eine Krise, sagt man hier. Die letzte war um die Wende 2001/2002. Alle hoffen, dass sich der Tod dieses dominanten Politikers angesichts eines möglichen Machtvakuums an der Spitze und einer zersplitterten Opposition nicht zu einer neuen Krise auswächst.

Schon um 19.00 Uhr snd die ersten piquete-Truppen zusammengetrommelt, und es marschiert , skandiert und trommelt wieder vor meinem Haus. Der stramm kirchneristische Jugendverband des Movimiento Evita ist unterwegs. Sie tragen ein Transparent Nestor vive en nosotros/Nestor lebt in uns. Da ist sie wieder, die quasi-religiöse Heldenverehrung, auf die sich populistische Politiker seit Perón immer verlassen konnten.

Die 68er waren da

Mein Buenos Aires-Blog hatte Ruhetage - wegen Argentinien. Denn ich war auf der Frankfurter Buchmesse, um Argentiniens Gastlandauftritt mitzuerleben. Es war ein Auftritt der großen Zahl. Eine 68 hatte man stolz vor dem hellblau-weißen Hintergrund der argentinischen Flagge auf Karten drucken lassen. Soviele Schriftsteller hatte Argentinien für Frankfurt aufgeboten. Im Kunstverein lagen die bunten Karton-Bücher der Verlagskooperative Eloisa Cartonera aus, und es gab Lesungen zuhauf.
Groß, wie alles was aus Argentinien kommt, war auch das Konterfei der Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner. Es erschien vervielfältigt auf einem historischen Bilderbogen, als hätte die populistische Peronistin die Befreiung von der Militärdiktatur höchst selbst errungen, was sie auch fast so gegenüber dem Spiegel verkündete, nur um es hinterher zu dementieren. Da passte es gut, dass man wie eine Reliquie ein Reisekostüm der ersten Peronistin Eva Perón mitgebracht hatte. Mit Literatur hatte das ebenso wenig zu tun wie die großen Konterfeis von Fußballheld Diego Maradona und Tangokönig Carlos Gardel. Die Klischees, über die Portenos gerne stöhnen, bediente das Land nun ungeniert selbst.

So gab es bei der Diskussion im Anschluss an meinen Vortrag über das Leseland Argentinien bei der Deutsch-Iberoamerikanischen Gesellschaft im Frankfurter Presseclub unter den Teilnehmern neben genuinem Interesse an neuer argentinischer Literatur auch Kritik an Argentiniens rückwärtsgewandter Politik und einer gewissen Großmannssucht. Manchmal scheinen das höchst lebendige Kulturleben von Buenos Aires und die immer mehr in Grabenkämpfen und gewaltsamen Zusammenstößen mit allen oppositionellen Gruppen versinkende Politik auf verschiedenen Sternen stattzufinden.

26. September 2010

Mit Müll in den Frühling

Wie jedes Jahr war am 21. September - an dem Tag, an dem in Deutschland der Herbst eingeläutet wird - in Buenos Aires Frühlingsanfang. Hatte ich mich in den vergangenen Jahren an der hübschen Sitte erfreut, dass viele Menschen eine Blume am Revers tragen und einander mit Blumensträußen beschenkten, so wurde ich in diesem Jahr mit einer weniger einnehmenden Sitte der hiesigen Frühlingsbräuche bekannt. An diesem Tag ist nämlich schulfrei, und die Jugendlichen ziehen in die Parks, um zu feiern. Das tun sie zunehmend unter Zuhilfenahme von Strömen von Alkohol und unter Hinterlassung von Bergen von Müll. Allein im Rosedal, dem schönen Park im Stadtteil Palermo mit seinen Teichen und Blumenrabatten habe die Müllmänner in den nächsten Tgen mehrere Tonnen von Müll eingesammelt. 20 Tonnen Müll waren der "Ertrag" dieser Frühlingsgefühle im Stadtgebiet, mehr als der gesamte normale Müll dieser 8-Millionen-Einwohner-Metropole in vier Tagen. Auch Messerstechereien waren am Frühlingsanfang an der Tagesordnung

Da denkt man fast, ein normaler Schultag hätte besser getan, zumal kaum ein Schuljahr ohne Streikphase beginnt und gerade in diesem Jahr viele Schulen von Schülern besetzt wurden. Argentinien ist stolz auf seine gut ausgebildeten Menschen, aber wie lange noch?

Fotos: La Nación, 22.9.2010

Soja & Tango


Was haben die goldgelbe Sojabohne und der Tango gemeinsam? Sie sind beide Goldminen für Argentinien. Bürgermeister Mauricio Macri hat sicher nicht zu romantischen Tango-aficionados gesprochen, sondern zu nüchternen Rechnern, als er vor einigen Tagen erklärte: Für Buenos Aires ist der Tango das, was die Sojabohne für das Land ist: ein Goldesel. Damit spielte der Stadtchef mit schnöder Deutlichkeit auf den einnahmeträchtigen Tango-Boom der letzten Jahre an, der zum Markenzeichen von Buenos Aires schlechthin geworden ist und von der Stadt gezielt gefördert wird. Er hält nicht nur eine Riege von Musikern, Sängern, Tänzern und Varietébühnen in Lohn und Brot, er sorgt auch für eine Tourismusindustrie, die das Stadtsäckel füllt, eben wie die Sojabohne die Schatullen der Zentralregierung. Denn die ölhaltigen Bohnen exportiert Argentinien weltweit bis nach China. Sie haben den Export von Rindfleisch als Haupteinnahmefaktor abgelöst.

Die Sojapreisnotierung wird täglich mit Spannung beobachtet. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Tango an der Börse notiert wird.

4. September 2010

Die heilige Cristina von den Schlachthöfen

Etwas ist faul im Land der Gauchos und des asado. Die Landwirtschaftsbeilagen der großen Zeitungen überbieten sich mit alarmierenden Statistiken. Das Rinderschlachten geht zurück und der Export von Rindfleisch noch mehr! Die Rinderverschläge in den Schlachthöfen von Liniers, einem südlichen Stadtteil von Buenos Aires, werden kaum noch voll. Traurig hängen die verbliebenen Rinderhälften dem Zeitungsleser ins morgendliche Bild.


Ganze Fleischverarbeitungsfirmen müssen schließen. Noch vor zwei Jahren hatte sich Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hübsch in weiß und lächelnd neben ein paar Rinderseiten fotografieren lasssen. Der brasilianische Konzern JBS, einer der größten Verarbeiter von Rindfleisch weltweit, hatte einen seiner argentinischen Standorte wiedereröffnet. Nun macht er der heiligen Cristina von den Schlachthöfen einen Strich durch die Rechnung. Er will schließen oder verkaufen, weil sich das Geschäft in Argentinien nicht mehr lohne.


Woran liegt´s? Auf dem Inlandmarkt mögen veränderte Eßgewohnheiten eine Rolle spielen, die selbst in Argentinien die Fleischberge, die der Durchschnittsargentinier täglich verzehrt, schrumpfen lassen, obwohl sie im Vergleich zu anderen Ländern immer noch beachtlich sind. Für die Einbrüche beim Export machen die Rinderzüchter dagegen die Regierung verantwortlich. Denn die hält von Marktwirtschaft nicht allzu viel, um so mehr aber von Kontrolle. Der zuständige Staatsekertär, Guillermo Moreno, ist denn auch der bestgehasste Mann unter Bauern und Fleischfirmen. Er kommt schon mal mit Boxhandschuhen zur Sitzung oder legt einen Revolver auf den Tisch, um seinen Gesprächspartnern mit dieser ebenso schlichten wie kruden Symbolik klarzumachen, wer das Sagen hat. Und er diktiert die Preise. Auch die variablen Ausfuhrabgaben, die sich die Regierung vor zwei Jahren ausgedacht hat, tragen nicht zur Besserung der Lage bei. Planungssicherheit ist in Argentinien ohnehin ein Fremdwort.

Selbst der schlichte Bürger merkt es schon. Eine Freundin, deren Sohn in Deutschland lebt, erzählte bekümmert, ihr Sohn bekäme sein gewohntes argentinisches Steak nicht mehr. Das komme jetzt aus Brasilien oder Australien. Also aufgepasst und nachgefragt, wenn man beim deutschen Schlachter zartes Rindfleisch kauft. Das gute Stück kommt doch aus Argentinien, oder?


Fotos: La Nación, 31.8.2010 und 4.8.2010

11. August 2010

Brot und Arbeit

Als ich am letzten Sonnabend im Colectivo Richtung Süden von Buenos Aires fuhr, war es für einen Tag am Wochenende und noch dazu in den Winterferien, in denen alle Welt verreist ist, ungewöhnlich voll. An langen Stangen trugen viele der Mitfahrenden Ährenbündel. Aber es war doch nicht Erntedankfest?

Wir fahren nach Liniers, klärte mich meine Banknachbarin auf, heute ist der Tag von San Caetano. Ich komme aus Quilmes, verriet sie mir. Dort arbeitet die ungefähr Fünfzigjährige mit dem Indiogesicht als Hausangestellte. Ursprünglich ist sie aus der nordwestlichen Provinz Santiago del Estero, einer der ärmsten von Argentinien. Tausende strömten zusammen, um den Bittgottesdienst von Kardinal Bergoglio am Heiligtum von San Caetano in dem armen südlichen Vorort Liniers zu hören und zu dem Heiligen zu beten, der für Brot und Arbeit sorgen soll. San Caetano erfreut sich der größten Beliebtheit unter den auf besondere Wohltaten spezialisierten Heiligen, die in Argentinien verehrt werden, wie etwa San Expedito, der dafür zuständig ist, dass die Angelegenheiten des Gläubigen schnell und gerecht erledigt werden oder San Fanurio, der hilft, Verlorenes wiederzufinden.

Der argentinische Consejo del Salario Minimo wollte anscheinend an einem solchen Tag nicht abseits stehen, hatte er doch am Donnerstag davor beschlossen, den Mindestlohn von 1.500 Pesos auf 1.740 Pesos (ca. 335 €) anzuheben. Leider werden Wenige in den Genuss dieser weltlichen Wohltat kommen, denn gerade im unteren Sektor der Einkommenspyramide arbeiten die Meisten schwarz, und da gibt es keinen Mindestlohn.

5. August 2010

Die Brasilianer sind da!

Zu seinem großen Bruder im Osten hat Argentinien ein gespaltenes Verhältnis. Man hält sich für etwas Besseres, europäischer und eleganter als die in den Augen der Portenos ein wenig ungehobelt-munteren Brasilianer. An den herrlichen Stränden Brasiliens macht man gerne Sommerferien, stöhnt aber über den für Pesobesitzer immer teurer werdenden brasilianischen Real. Zugleich betrachtet man den wirtschaftlichen Aufstieg des Riesen Brasilien nicht ohne die bange Frage, was denn im eigenen Land schief gelaufen sei, so dass Argentinien immer weniger mithalten könne. Jetzt im argentinischen Winter begrüßt man gerne die Millionen brasilianischer Touristen, die Argentinien überschwemmen, auf der Suche nach Schnee zum Skilaufen und nach dem kulturellen Flair, das Buenos Aires ausstrahlt. Sie lassen nicht nur mehr Geld im Land, als nordamerikanische und europäische Touristen, sie sind auch weniger wählerisch, freuen sich die hiesigen Zeitungen. Schon zweimal wurde ich in diesen Tagen im weichen, ein wenig nuschligen Spanisch der Brasilianer nach dem Weg gefragt und gab stolz als 'Einheimische' Auskunft.

Immer mehr Argentinier suchen eine Beschäftigung im prosperierenden Nachbarland. Portugiesisch-Kurse sind gefragt, und Brasilien hat, neben Frankreich, das wohl schönste Stadtpalais als Botschaft. Dort zeigt es gerade einen besonderen Botschafter kühner Moderne und Großzügigkeit auf brasilianisch. In einer üppigen Schau wird das Lebenswerk von Oscar Niemeyer ausgebreitet, dem brasilianischen Stararchitekten, dessen Urahne Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Hannöverschen nach Portugal ausgewandert war. In einem Film kann man den Vater der brasilianischen Architektur des 20. Jahrhunderts erleben, der mit seinen 103 Jahren noch täglich arbeitet und voller neuer Projekte steckt, so für ein Stadion zur Fußball-WM 2014 in Brasilien. Auf Großfotos und in Modellen ist die Fülle seiner Bauten ausgebreitet, vor allem die Prachtmeile Brasilias, die in den fünfziger Jahren in weniger als einem Jahrzehnt aus dem Boden gestampft wurde und die bezaubernde fliegende Untertasse, als Museum für Moderne Kunst in Niteroi in der Bucht von Rio de Janeiro gelandet. Aus seinen europäischen Exiljahren stechen eine Moschee in Algerien und ein Kulturzentrum in Le Havre hervor.

Auch Argentinien soll sein Stück Niemeyer bekommen. In Rosario wird ein kühnes, blendendweißes Halbrund mit Segel am Rio Paraná festmachen, sobald die Finanzierung steht. Nur wenige Werke Niemeyers blieben Enwurf, darunter leider ein 2007 für Potsdam geplantes Schwimmbad.

Heiter gestimmt verlasse ich das Botschaftsgebäude an der so französisch anmutenden Plazoleta im Viertel Retiro. Die Schwünge von Niemeyers Bauten tragen mich hinweg, und der Plan, Brasilia zu besuchen, bekommt neue Nahrung.

Abbildungen aus dem Ausstellungsprospekt

25. Juli 2010

Personenkult

Argentinien hat sein gerütteltes Maß an lateinamerikanischen politischen Erbkrankheiten wie dem Caudillismo, der Herrschaft eines starken Regional"fürsten" und dem damit zusmmenhängenden Personenkult. Und man liebt den Blick in die glorreiche Vergangenheit. Das Bicentenario bietet Anlass sich noch intensiver über die eigene Vergangenheit zu beugen, als sonst. So sah ein Karikaturist schon die Ortsheiligen General San Martín, General Belgrano und General Perón als Zombies aus dem Grab steigen. Zum 115. Geburtstag von Domingo Perón klebten überall Plakate, die dem Verblichenen dankten: Gracias mi General. Keine Grenzen kennt die Verehrung für die Frau an seiner Seite. An Eva Perón kommt niemand vorbei. Evita lebt in uns kann man dieser Tage auf einem weiteren Plakat stadtweit lesen. Zu Evitas 58. Todestag legen die regierenden Peronisten noch eins drauf. Die Stadt ist mit Plakaten überschwemmt: Evita ruft uns zusammen . Dein Leben ist unser Beispiel, dein Name unsere Flagge. Evita in unserem Herzen. In der Casa Rosada gibt es einen Festakt und einen Fakelzug durch die Straßen. Präsidentin Cristina Kirchner sieht sich wohl als Reinkarnation von Evita.

Da wollen die Madres der Plaza de Mayo nicht zurückstehen. Unter ihrer Chefin Hebe Bonafini haben sie sich, nicht zuletzt dank reichlich fließender finanzieller Unterstützung seitens der Regierung, zu bedingungslosen Anhängern von Nestor und Cristina Kirchner entwickelt. So nennt sich eine Gruppierung der Madres nach dem Vornamen der Präsidentin Las Cristinas.
Ein unbefangener Zugereister würde annehmen, dass die Zentralbank von Bankexperten geführt wird. Nicht so in Argentinien. Die Präsidentin, von der Regierung in einem umstrittenen Coup eingesetzt, die beiden Vizepräsidenten und alle sieben Direktoren gehören politischen Gruppierungen an, die in der Öffentlichkeit heftig diskutiert werden. Die Nähe zu einer der Gruppen definiert sich dabei nicht nach Parteizugehörigkeit, sondern nach den leitenden Figuren, denen die jeweiligen Bankmenschen verpflichtet sind. So ergibt sich eine bunte Mischung von Kirchneristas, Lavagnistas, Redadristas und weiteren istas. Da geht es doch nicht um Fachleute, oder?

Eine weitere argentinische Identifikationsfigur, Diego Maradona, dient sich derweil dem in Caudillo-Manier regierenden Staatschef von Venezuela an. Mit Huguito, Hugochen Chavez ist Maradona auf Du und Du und will ihm helfen, die nächste Wahl zu gewinnen. Vielleicht hat Dieguito als Königsmacher mehr Glück denn als Fußballtrainer.

Karikatur: La Nación, 9.6.2010
Foto: La Nación, 27.7.2010

24. Juli 2010

Calderon: Das Leben ein Traum von Blut, Schweiß und Sperma

In der weitgehend hausgemachten Theaterszene von Buenos Aires gibt es heuer eine Besonderheit. Calderons "Das Leben ein Traum" aus Spaniens Goldenem Zeitalter kam in einer spanischen Inszenierung, mit hiesigen Darstellern, ins Teatro San Martín. Für die Regie zeichnet Calixto Bieito aus Barcelona verantworlich. In Europa bestens bekannt mit Inszenierungen in allen großen Städten von Wagneroper über Brecht zu Shakespeare, brachte Bieito für die eher zahmen Sehgewohnheiten der Portenos einen echten Schocker mit.


Auf der Bühne wurde gefurzt, masturbiert und den Frauen an die Wäsche gegangen, was das Zeug hält. Damit entfernt sich der Regisseur gar nicht so weit vom Barock der Entstehungszeit des Werks. Wie oft ist etwa im Simplizissimus von genüsslichen Furzkannonaden die Rede. Für das Versdrama über Sein und Schein, Zügellosigkeit und Ordnung ist der durchweg klamaukhafte Stil allerdings gewöhnungsbedürftig. Auch die zentrale Sandarena konnte weit weniger überzeugen als einst in Peter Brooks legendärer Pariser (und Hamburger) Carmen-Inszenierung. Das kostensparend karge Bühnenbild wartete außerdem mit einem großen Holzstuhl als Thron, einem Schaukelpferd und einem riesigen Spiegel auf, der schon mal schief hing, wenn die Welt von Calderon noch nicht in Ordnung gebracht worden war. Eine etwas platte Symbolik. Natürlich traten die Mächtigen in zeitgenössischen Militärklamotten auf. Hatten wir das nicht schon oft, zu oft? Grelle Tivoli-Lichterketten über der Bühne und im Zuschauerraum lenkten vom Bühnengeschehen ab und brachten die barocke Botschaft, nach der das Leben ein Theater ist, recht schlicht rüber.

Die gute Textbeherrschung der Schauspieler und ihr geschicktes Lavieren zwischen hohem Verston und beiläufigem Sprechen reichten als Gegengewicht nicht. Furcht und Mitleid blieben aus. Zuviel wurde geschrieen , gerannt und geturnt. Schade.


Szenenphoto aus dem Programmheft




15. Juli 2010

Im Teatro Colon - kalte Pracht

Gestern Abend hatte ich das Privileg, ins frisch renovierte Renommierstück der Kulturszene von Buenos Aires eingeladen zu sein. Das Teatro Colon strahlte und glänzte außen und innen. Auch das Schumann-Konzert war ein Genuss, den herrlichen Opernsaal mit seiner bemalten Decke, den Samtvorhängen und den vergoldeten sechs Rängen wiederzusehen ebenso.


Weniger genussvoll gestaltete sich das Drum und Dran. Gnadenlos ließen die Türsteher eine allmählich auf ungefähr hundert Personen anwachsende Menge im eisigen Wind dieses Winterabends draußen stehen, weil erst die Damen und Herren einer Sonderveranstaltung im Goldenen Saal hinauskomplimentiert werden mussten. Auch eine 87jährige Konzertbesucherin fand keinen Einlass in die Vorhalle. Überdies scheint die Heizung noch nicht renoviert zu sein. So liefen in der kalten Pracht der vergoldeten, von riesigen Kristalllüstern erleuchteten Wandelgänge die Besucher in Mänteln herum. Auch die Pause verhieß keinen heißen Kaffee oder ein Gläschen Schampus. Die Buffets gähnten leer und ungastlich. Wieder zeigte sich, daß Kundendienst in Argentinien ein Fremdwort ist und Schlangestehen ein nationaler Sport.

Dafür konnte ich etwas bewundern, was ich in keinem anderen Openhaus je gesehen habe. Befragt, wofür die dunklen Verließe zu beiden Seiten der Bühne am Rande des Parketts dienten, klärte mich meine Freundin auf: Früher durfte man, wenn man Trauer hatte, nicht in die Oper, erzählte sie, so kam man auf die Idee, für die armen Trauernden, die vergeblich nach Kunstgenuss lechzten, diese dunklen Verliese zu schaffen, in denen sie nicht gesehen werden, aber am Opernspektakel teilhaben konnten. Eine echt argentinische Lösung, die auch heute in vielen Bereichen gerne Anwendung findet. Wie sagte mein Bankmensch: Das Papier ist eine Sache, die Wirklichkeit eine andere.

Fotos: La Nacion

11. Juli 2010

Tafeln für die Schülerreise - In der Armenischen Gemeinde

Der Saal fasst ungefähr 400 Menschen und ist gerappelt voll. Zwischen den Tischreihen schweben bezaubernde junge Mädchen und ihre männlichen Pendants im schwarzen Kellneroutfit und servieren Vorspeisenteller mit Mezze und schwertgroße Spieße mit gebratenen Lammstücken.

Es ist Freitagabend im Kellergeschoss der Schule Instituto Marie Manoogian im Stadtteil Belgrano. Hier in der Calle Armenia laden zweimal wöchentlich die Eltern und Schüler der Schule im armenischen Viertel von Buenos Aires zur üppigen Tafel. Die Mütter kochen, die Väter schenken Wein aus und die Schülerinnen und Schüler servieren gekonnt. Zwischendurch gibt es eine Tanzeinlage. Wer will, kann sich die Zukunft aus dem Satz des orientalischen Kaffees lesen lassen.

Mit dem Erlös von Mahmara, einer Paprikacreme mit Nüssen, Basterma, luftgetrocknetem, gewürztem Rindfleisch, Shish Kebab und Feigentorte fördern die Gäste die Schule. Bald sind Winterferien. Dann geht es mit dem erwirtschafteten Geld für die Schüler der Oberklassen auf große Europareise. Wir besuchen auch Armenien, verrät mir Stefanía, die an unserem Tisch bedient. Verständigungsprobleme wird es nicht geben, denn im Instituo Marie Manoogian wird armenisch gelehrt. Eine Plakette in der Eingangshalle erinnert an den Besuch des armenischen Präsidenten in den 90gern zweisprachig, auf Castellano und in schöner armenischer Schnörkelschrift. Baree djanapar, Gute Reise wünschen wir Stefanía nach einem gelungenen Abend.

10. Juli 2010

Viva la Patria!

Dieses Jahr kommen wir Portenos aus dem Festestrubel gar nicht mehr heraus. Kaum sind die gigantischen Fest-Spiele zum 25. Mai 1810 vorbei und die fast ebenso pompöpsen Feiern zum Día de la Bandera in Rosario, da naht schon der Día de la Independencia. Am 9. Juli 1816 hat die erste Nationalversammlung Argentiniens in der Andenstadt San Miguel de Tucumán die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Präsidentin Cristina Kirchner nebst Gatten ist eigens nach Tucumán gereist und hat sich zu diesem Anlass die den Franzosen seinerzeit abgeguckte rote Revolutionsmütze aufgesetzt. Sie liebt ohnehin die bedeutungsträchtige Kostümierung. Zu einer Arbeiterdemonstration in Paris war sie in passender Schirmmütze erschienen, natürlich in kleidsamer Designerversion.

Ohne präsidentiellen Glanz, aber hochgestimmt und fröhlich fand das kleine Fest in Buenos Aires statt. Wiedereinmal sass ich in der Loge, denn alles spielte sich an der Ecke von Avendia de Mayo und Plaza del Congreso ab, der eigentlich Plaza de los dos Congresos heißt, um an das erste Parlament in Tucumán zu erinnern. Hier im barrio wurde gleich doppelt gefeiert, denn die Avendia de Mayo in ihrer heutigen Gestalt wurde 116 Jahre alt. So hatten die Freunde der Avenida de Mayo geladen, war Stadtkultursekretär Hernán Lombardi erschienen, dankte ein Geistlicher der Heiligen Jungfrau und wurde die albiceleste, die Flagge, feierlich aufgezogen. Dann hatten die Folkloretänze aus der Provinz Santiago del Estéro die Bühne und tanzten in ihren malerischen Kostümen eine Chacarena und Salsa nach der anderen bis in die späten Nachmittagsstunden dieses klaren, sonnigen Wintertags. Die Caballeros in ihren Pluderhosen, den hochhackigen Stiefeln , weißen Spitzengamaschen und schwarzen Sombreros, den Poncho über der Schulter und das Messer mit Silberknauf im Gürtel, stahlen den Frauen fast die Schau.

Das Bandoneon klagte und Gitarre und Trommel schlugen den Rhythmus. Der Conferencier versicherte, in Santiago del Estero, der fernen und armen Provinz im Nordwesten, habe man viel Zeit zum Tanzen, heiße die Provinz doch wegen des Brauchs, von Mittag bis fast in den Abend hinein Siesta zu halten, auch Santiago del Descanso, Santiago des Ausruhens. Viva la Patria, viva! Mit viel Tanzfreude und Nationalstolz, aber fernab der aktuellen politischen Streitereien ging dieser portensische Nachmittag zuende.

4. Juli 2010

Relative Armut

Wer am zentralen Bahnhof Retiro ankommt, und sich von dort in die betuchten nördlichen Vororte von Buenos Aires begibt, fährt an einem Stück Dritter Welt vorbei. In der Villa 31 stapeln sich direkt zwischen Bahngleisen und Stadtautobahn ärmliche Häuschen und Bretterverschläge in wildem Chaos über- und nebeneinander. Diese Villa Miseria, wie die Elendsviertel hierzlande heißen, liegt mitten im Zentrum. Viele andere, in die so mancher Porteno nie einen Fuß setzen würde, breiten sich in der südlichen Stadthälfte aus. Die Armut deutlich zu verringern, ist trotz flammender Rhetorik und etlichen Ad-Hoc-Zuwendungen auch der linksperonistischen jetzigen Regierung nicht gelungen.

Doch Armut ist relativ. Schaut man auf die Statistik, so steht Argentinien innerhalb Lateinamerikas nicht so schlecht da. Nach einer Untersuchung von Gallup müssen 25,3% aller Argentinier mit weniger als 2 USD pro Tag auskommen, und einer unter fünf hat keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Besser geht es aber auf dem Subkontinent nur den Chilenen. Alle anderen, selbst das prosperierende Brasilien und das gesamtwirtschaftlich potentere Mexiko, weisen noch schlechtere Ergebnisse im Armutindex auf.

Foto: Fernando Rey

Im Fußballfieber III - Kein Mundial-Effekt für die Politik

Auch für die Regierung ist mit dem Ausscheiden Argentiniens ein Traum ausgeträumt. Bislang hat das regierende Ehepaar Kirchner die Öffentlichkeit Glauben gemacht, dass mit dem erfolgreichen Team auch sie selbst und der Peronismus siegen würden. 50.000 Plakate "Fußball für alle" waren geklebt worden, die den Eindruck erwecken sollten, Fußball im Fernsehen sei eine Sozialleistung. Der Zwischenstopp der Präsidentin in Südafrika auf dem Weg zu einem Staatsbesuch in China war schon geplant. Man zerbrach sich nur noch den Kopf, wie man verhinden konnte, dass daheim in Argentinien der ungeliebte Vizepräsient mit Maradona und seinen Mannen aufs Siegerfoto kam. Die Mundial kam wie gerufen, um ein paar Probleme unter den Teppich zu kehren und den ständigen Machtmissbrauch zu verschleiern. Die Choreographie stand, nur der Sieg blieb aus.

Nun kann die politische Fußball-Dividende nicht eingefahren werden. Man muss sich den Schwierigkeiten wieder direkt zuwenden, zum Beispiel dem Kampf mit dem Parlament um die Verteilung der Haushaltsmittel. Im laufenden Haushaltsjahr werden unglaubliche 35 Milliarden Pesos, das sind rund 7,1 Milliarden Euro, von der Regierung nach eigenem Gutdünken und ohne jegliche Kontrolle des Parlaments ausgegeben. Welches Ministerium, welche Provinz, welche Gemeinde was davon bekommt, entscheidet, je nach dem Wohlverhalten und der Regierungsnähe der Amtsträger, allein Präsidentengatte und Ex-Präsident Nestor Kirchner, der im Hintergrund die Fäden zieht. Dabei handelt es sich um überschüssige Einnahmen. Der reguläre Haushalt pflegt vom Parlament ohne Debatte in toto verabschiedet zu werden.

Mit den Sondervollmachten bei der Vergabe von Haushaltsmitteln will das Parlament nun Schluss machen. Die Regierung hat aber schon ihr Veto zu einem eventuellen Gesetz in dieser Richtung angekündigt. So wird wohl, zumindest bis zur nächsten Präsidentenwahl im November 2011, alles beim Alten bleiben.

Manch einer, der es nicht mit den Kirchners hält, geht sogar soweit, die argentinische Niederlage gegen Deutschland zu begrüssen. Ich wollte unser Team nicht gewinnen sehen, sagte mir ein waschechter Porteno, das hätte nur den Kirchners in die Händen gearbeitet, und den unsäglichen Maradona aufgewertet. Unsere Barabravas konnten nur von den Südafrikanern diszipliniert werden, fügte er resigniert hinzu. Die militanten argentinischen Hooligans, manche davon vorbestraft, hatten sich in Südafrika so ruppig benommen, dass einige ausgewiesen wurden. Pikant wird die Geschichte dadurch, dass etliche in ihrer Heimat sich auch als regierungstreue piqueteros, Demonstranten, 'verdient' gemacht haben.

Die Niederlage im Viertelfinale nehmen sich viele Argentinier als nationale Schmach zu Herzen. Außerhalb der Mundial und... außerhalb der Welt? titelte eine Zeitung, als wieder einmal über die zunehmende politische und wirtschaftliche Isolierung Argentiniens geklagt wurde. In der WM zu verlieren, ist eine Niederlage für den Profisport, nicht für die Nation, konterte der angesehene Wissenschaftler Mario Bunge. Seine langjährige berufliche Tätigkeit in Kanada muss abgefärbt haben. Solche nüchterne Betrachtungsweise findet man in Argentinien selbst selten.

Kariktur Nestor Kirchner neben Maradona und Messi als Fußballer: La Nación 4.7.2010
Karikatur Kampf zwischen Congreso und Regierungspalast Casa Rosada: La Nación, 4.7.2010

Gaucho-Küsse

Haben Sie heute schon geküsst? Vielleicht ist ja der Gasmann dagewesen oder Sie haben die Nachbarin auf der Treppe getroffen. Schon sind zwei Küsse fällig. Mit Schmatz und auf die Wange, nur auf eine, bitteschön. So begrüßen sich Portenos, egal ob Männlein oder Weiblein.

Geküsst wird immer, nicht nur unter Freunden. Vor ein paar Tagen musste ich zum Arzt. Nach geraumer Wartezeit im überfüllten, winzigen und schlecht belüfteten Wartezimmer konnte ich endlich zum Doktor hinein. Wr sahen einander das erste Mal, denn glücklicherweise bin ich nicht Stammkundin. So hätte ich den obligaten Schmatzer fast vergessen. Nicht so der Doc! Als vorigen Winter die Grippe A ihr Unwesen trieb, wurden viele Hygienemaßnahmen diskutiert und einige sogar ergriffen. Das Küssen einzuschränken, gehörte nicht dazu.

Argentinier sehen die Küsserei gerne als Beweis ihrer warmen Herzlichkeit untereinander an. Zweifel seien erlaubt. Der Arzt behandelte mich weder freundlicher noch preiswerter als seine deutschen Kollegen und der Maler, den ich kürzlich brauchte, bedeutete mir nach dem Kussaustausch, er könne bei mir leider in den nächsten Wochen nicht tätig werden, denn der Auftrag sei zu klein. Da müsse er erst eine Lücke in seinem vollen Terminkalender finden.

Gerne gäbe die Zugereiste eine Anregung, die auch das Hygieneproblem elegant lösen würde. In Wien ist man schon lange dazu übergegangen den früher obligaten Handkuss aus der Realität in die Rhetorik zu befördern. Küss die Hand, gnä' Frau kann man gelegentlich noch hören. Ausgeführt wird es immer seltener. Sollte das die Argentinier, Meister in der Virtualität, nicht ansprechen?

Karikatur: La Nación 2.7.2010

Im Fußballfieber II - Großzügige Verlierer

Der argentinische Traum ist ausgeträumt. Obwohl ich mit der deutschen Mannschaft gezittert und gefeiert habe, war ich ein wenig traurig unter all den stummen Portenos nach dem Viertel-finalspiel gegen Deutschland. Kein Hupkonzert, keine Vuvuzelas ertönten. Still fuhren die Fans mit ihren Hemden im nationalen albiceleste im colectivo nach Hause. Beim asado, beim Grillfest in der Familie, sprach man sich gegenseitig Trost zu. Allzu überlegen hatte man sich gefühlt, den Sieg schon fast vorweg genommen. Wochenlang waren die Zeitungen voll von Messi, Maradona und Co. Von jedem Werbeplakat blickte fest einer der argentinischen Fußballhelden. Jedes zweite Wohnhaus hatte geflaggt. Ankündigungspräsidentin Cristina Kirchner hatte schon in Aussicht gestellt, sie werde zum Endspiel (!) fahren. Nationaltrainer Maradona hatte mit Hohn und Spott für andere Mannschaften wie Mexico nicht gespart. Kluge Zeitungskommentatoren lasen aus den Anfangserfolgen Argentiniens und anderer südamerikanischer Mannschaften gegnüber europäischen Teams schon den bevorstehenden Untergang Europas ab. Um so tiefer ist nun die Enttäuschung. In wenigen Ländern ist Fußball wohl eine so patriotische Angelegenheit und setzt so viel Träume frei wie in Argentinien. Un país donde se vive y se respira fútbol, sagt man von sich selbst, ein Land, in dem Fußball gelebt und geatmet wird.

Doch wie erstaunt umd gerührt war ich, als mich nach dem Spiel, das so haushoch gegen die Mannschaft meines Landes verloren worden war, der Kellner aus meinem Eckcafé, der Gemüsehändler von gegenüber und selbst Passanten auf der Straße zum deutschen Sieg beglückwünschten. Gut, dieser Muellér, sagte Faustina, Concierge in meinem Haus, anerkennend. Meine Zeitungsfrau hatte heute La Nación zusammen mit einem Extraschmankerl für mich parat. Sie habe mich gestern im Fernsehen gesehen, wo wir deutschen Fans beim gemeinsamen Spielangucken in der deutschen Botschaft gefilmt worden waren. In Argentinien ist eben alles groß, die Großmäuligkeit ebenso wie die Großzügigkeit.

Foto: La Nación 4.7.2010

3. Juli 2010

Erfolgreich gegen den Strom


«Sie ist eine Kämpferin», sagt ihre Mutter. Die 90-Jährige war bei der Amtseinsetzung vor einem Jahr dabei, ebenso Ehemann Johann Maree, Soziologieprofessor an der Universität Kapstadt, und die beiden Söhne. «Ich kann gut delegieren und die richtigen Mitarbeiter auswählen», benennt Helen Zille eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. «Mein Mann war meine beste Personalentscheidung», lacht sie. «Wir sorgen für Mamas Bodenhaftung» kontert Sohn Paul.

Mila und Wolfgang Zille, die Eltern, haben sich erst in Johannesburg kennengelernt. Beide hatten einen jüdischen Elternteil und waren mit der Familie aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen. Helens familiäre Wurzeln führen ins Ruhrgebiet und nach Berlin. Als SA-Leute das Haus der Großeltern in Essen in der Reichspogromnacht verwüsteten und den Großvater festnahmen – er wurde später freigekauft – flüchtete die Großmutter mit den Kindern über England nach Südafrika. Die Familie von Helens Vater, dessen Mutter Jüdin war, ging schon bald nach der so genannten Machtergreifung aus Deutschland weg und einige Jahre später nach Südafrika.

In einem politisch bewussten und emanzipierten Umfeld ist Helen erzogen worden. Schon ihre Essener Großmutter hatte den Töchtern beigebracht: «Mädchen schmeißt eure Stricknadeln weg. Wartet nicht auf Ehemänner, sondern lernt, unabhängig zu sein.» So Helen Zille in einem Interview. Sensibel für jede Form von Rassismus engagierte sich ihre Mutter in der Antiapartheidbewegung. Menschen mit solcher Familiengeschichte reagieren wie Seismographen auf erste Anzeichen von Intoleranz. Nicht von ungefähr finden sich viele südafrikanische Juden unter den damals aktiven Apartheidgegnern. Helen Zille begreift sich als Christin mit jüdischen Wurzeln, so bekannte sie auf einer Konferenz amerikanischer jüdischer Organisationen, die im Vorfeld der Fußball WM ans Kap gereist waren. Sheila Boardman, Mitschülerin an der St. Mary’s Schule im Johannesburger Vorort Waverley erinnert sich: «Helen war immer sehr zielbewusst, direkt und offen. Das war ziemlich ungewöhnlich für ein Mädchen in den 60er Jahren.»

1977 kam Studentenführer Steve Biko in der Haft um. Helen Zille, inzwischen junge Journalistin, deckte den als Tod durch Hungerstreik getarnten Mord auf und berichtete darüber im «Rand Daily Mail». Die Überschrift «Keine Zeichen von Hungerstreik – Bikos Ärzte» dieses Stücks investigativen Journalismus sendete eine Schockwelle durch das Südafrika der Apartheid. Repressalien bis zu Todesdrohungen waren die Folge. Wenig später verließ Helen die Johannesburger Zeitung und fand in Kapstadt in der Black Sash- Bewegung des zivilen Ungehorsams gegen die Apartheidgesetze ihre politische Heimat. Manchem Verfolgten konnte sie helfen.

Entschlossenheit und Mut. Die braucht sie auch heute, wenn es darum geht, Machtmissbrauch des regierenden African National Congress (ANC) anzuprangern und die Tendenz, jeden der nicht mitspielt, als Rassisten zu diffamieren. «Godzille» nennen ihre Gegner sie. «Ich habe eine automatische Löschtaste im Kopf», winkt Zille ab.

Auch sie hat wie einst Martin Luther King einen Traum: Sie will Südafrika von der noch zu sehr auf Rasse basierenden Politik wegführen und den Seilschaften eine offenere Gesellschaft entgegensetzen. So sah sie sich bald nach dem Ende der Apartheid wieder auf der Seite der Opposition. Anpassung an die jeweils Mächtigen ist ihre Sache nicht. In der Ära der Apartheid provozierte sie das weiße Establishment, heute das schwarze. Doch beließ sie es nicht beim Neinsagen.

Nach einigen Jahren als Erziehungsministerin im Westkap und als Abgeordnete des nationalen Parlaments gelang ihr der erste große Durchbruch. Mit hauchdünner Mehrheit einer bunt gemischten Koalition wurde sie 2006 Bürgermeisterin von Kapstadt. Damit stand sie einem Drei- Millionen-Gemeinwesen mit erheblichen sozialen Problemen vor. Der Erfolg ihres energischen und effizienten Regierungsstils blieb nicht aus. Arbeitslosigkeit und Kriminalität gesenkt, Geld für mehr soziale Projekte freigemacht und den World Mayor Award gewonnen, den Preis der weltbesten Bürgermeisterin. Sie ist stolz auf das Erreichte.

Der Stallgeruch des ANC fehlt ihr, die Bürgernähe nicht. Helen Zille ging schon mal selbst nachsehen, wenn die Polizei an einem Tatort nicht zur Stelle war und überraschte die Ordnungshüter beim Fernsehen. Im Township kann sie mit jedem reden. Als eine der wenigen Weißen spricht sie neben Englisch, Afrikaans und Deutsch mit Xhosa auch die regionale Bantu- prache. Als sie eine Demonstration gegen Drogenbarone aktiv unterstützte, wurde die Streitbare sogar als Bürgermeisterin kurz inhaftiert. Sie lässt sich nicht beirren.

Soziale Verantwortung bringt die Großnichte des Berliner Milljöh-Schilderers Heinrich Zille von zuhause mit. Nicht weit weg von dessen feuchten Kellerwohnungen im Kietz sind die ärmlichen Hütten im Township, auch wenn hier öfter die Sonne scheint. So ließ Helen Zille es sich 2008 nicht nehmen, im Städtchen Radeburg in der Lausitz den 150. Geburtstag des «Pinselheinrichs» mitzufeiern und den sächsischen Zille-Schülern vom fernen Südafrika zu erzählen.

Das in Kapstadt angesammelte Vertrauenskapital konnte Helen Zille nutzen, als es um einen noch höheren Einsatz ging. Es galt, die ganze Provinz zu gewinnen. «Dabei ist keine Magie», sagte einer ihrer Wahlkampfbegleiter erschöpft, während Helen ein Bad in der Menge nahm, sang und tanzte, «es ist gute, altmodische Arbeitsethik». Sie selbst bekennt: «Ich bin in meiner Einstellung sehr deutsch und mit viel Disziplin aufgewachsen». Die Damen aus den besseren Vierteln fanden ihr Tanzen genierlich. «Das gehört zur afrikanischen Kultur» beschied sie ihren weißen Fanclub. Was sie macht, macht sie ganz. «Es ist Z-Zeit», jubelten ihre Anhänger nachdem die von Zille geführte Democratic Alliance 2009 mit sensationellen 51,3 der Wählerstimmen in der Provinz Westkap die Regierung stellen konnte und landesweit auf beachtliche 16 Prozent kam. «Z» stand nun nicht mehr allein für Jacob Zuma, den mächtigen ANC-Parteichef und gerade gewählten Präsidenten, sondern auch für Helen Zille.

Effizienz und Sparsamkeit sind ihre Markenzeichen beim Regieren. Als Bürgermeisterin von Kapstadt hat sie sehr genau geprüft, was das neue WM-Stadion kosten solle, wo das Geld herkomme und wie man das Stadion später nutzen werde. Als Regierungschefin der Provinz Westkap versucht sie, dem allgemeinen Schlendrian und der Verschwendungssucht der Staatsbediensteten entgegenzuwirken und hat einen eigenen Ausgabencode aufgestellt. Auch sie begreift aber die Fußball WM als große Chance für ihr Land. «Zeigt der Welt AfriCan», Afrika kann es, gab sie vor den 44.000 als Slogan aus, die zu einem Bittgottesdienst in Kapstadts Green Point Stadion einige Wochen vor den Spielen zusammengekommen waren. Und sie ist ein Worcaholic. «Wat macht denn der Kerl da? Der arbeet’t.» Diese Bildunterschrift Heinrich Zilles könnte auch auf seine Großnichte passen.

Für ihre scharfe Zunge und Schlagfertigkeit von ihren politischen Gegnern gefürchtet, geht sie keinem Streit aus dem Weg. Kaum im Amt, wurde sie wegen ihres vorwiegend aus weißen Männern bestehenden Kabinetts angegriffen. Mehr Schwarze, mehr Frauen, forderte man. Helen Zille beharrte aber darauf, dass Posten nach Fähigkeit vergeben werden sollten, nicht nach Quoten, was oft nur eine Ausrede für Gefälligkeiten sei. Und sie legte den Finger auf die Wunde der patriarchalischen Gesellschaft: auf das Aids-Problem. Die beste Frauenförderung sieht sie in mehr Bildungsinvestitionen.

Zille verbindet das Amt der Regierungschefin in einer Provinz mit dem der Oppositionsparteiführerin auf nationaler Ebene. Kein leichter Spagat. Der Wahlsieg ihrer Democratic Alliance bedeutete auch, eine erneute Zwei- Drittel-Mehrheit des ANC zu verhindern und damit zur Machtbegrenzung beizutragen. «Macht korrumpiert», ist ihre Überzeugung «und absolute Macht korrumpiert absolut». Ihre Partei bietet den Wählern eine Alternative.

Zivilcourage würde die Unbeugsame wohl selbst als wichtigste Tugend einer Politikerin bezeichnen. Versöhnlichkeit war ihre Sache bisher weniger. «Hör auf die Menschen», rät Mutter Mila. «Es gibt mehr, was uns zusammenhält, als was uns trennt» beschwörte Helen Zille in ihrem wöchentlichen Newsletter unlängst ihre Landsleute, als nach dem Mord am rechtsextremistischen Burenführer Eugène Terre’Blanche die latenten Rassenanimositäten neu aufflammten. Die tiefen Wunden ihres Landes heilen zu helfen und gleichzeitig wachsam die Demokratie zu verteidigen, für dies Ziel wird sie noch mehr schwarze Wähler gewinnen müssen. «Das ist unsere größte Herausforderung», sagt sie selbst.

2. Juli 2010

Tourismus ganz dringlich

Alle Länder möchten wohl eine gesuchte Touristendestination sein, aber Argentinien besonders dringlich. So entschied die Regierung dieser Tage per Notverordnung, dass ein neues Ministerium für Tourismus zu schaffen sei. Sie begründete die Anwendung des umstrittenen Notverordnungsgesetzes DNU damit, dass die Maßnahme keinen Aufschub dulde und man deshalb nicht das von der Verfassung vorgesehene Verfahren einhalten könne.

Anlass und Begründung muten wie eine Verhöhnung des Obersten Gerichtshofs an. Der hatte erst vor einigen Wochen entschieden, dass die Anwendung des Notverordnungsparagraphen einzuschränken sei und sich nur auf Fälle von besonderer Dringlichkeit beziehen dürfe. Wie hat doch kürzlich ein bekannter Politikwissenschaftler die demokratischen Verhältnissen spottende Konzentration von Macht in der Hand des präsidentiellen Paares genannt: Hyperpräsidentialismus. Mit Spannung wird nun erwartet, ob das neue Ministerium umgehend hyperaktiv wird.

1. Juli 2010

Immigrantennation auf spanisch-katholisch

Wenn ich mein Haus günstig verkaufen kann, mache ich eine Pilgerfahrt zur Madonna von Lujan. - Wieso zur argentinischen Nationalheiligen, Du bis doch gar nicht katholisch? frage ich den jüdischen Freund. Das macht nichts. In meinen Adern fliesst Porteno-Blut und da gehört die Madonna dazu.

Nichts könnte die Argentinidad besser umschreiben, als diese Anekdote. Argentinien klopft sich im Jahr des Bicentenario mit Vorliebe selbst auf die Schulter und sieht sich als tolerantes Einwandererland. Präsidentin Cristina Kirchner, die eine Schwäche dafür hat, andere zu schulmeistern, liebt es, den Europäern Lehren über den Umgang mit Einwanderern zu erteilen. Gerne übersieht man hier, dass die Einwanderungsgeschichte inzwischen etwas in die Jahre gekommen ist. Die großen Einwandererwellen liegen zwischen 120 und 60 Jahren zurück. Und die damals noch junge, ungefestigte Nation erwartete von ihren Immigranten eine Anpassung an die spanisch-katholische Leitkultur, an die im heutigen Europa nicht zu denken wäre. Alle Vornamen mussten hispanisiert werden. Wer sein Kind Karl oder Heinrich nennen wollte, landete bei Carlos und Enrique. Deshalb gibt es in Argentinien so viele Menschen mit Nachnamen wie Müller oder Bunge und spanischen Vornamen. Man stelle sich vor, die deutschen Behörden verlangten von türkischstämmigen Bürgern, dass sie ihr Kind Martin statt Feiredun nennen. Es gäbe wohl, zu Recht, einen Aufruhr. Das italienische Kulturinstitut von Buenos Aires beklagt, dass so wenige Portenos Italienisch sprächen, obwohl nahezu die Hälfte aller Argentinier italienische Vorfahren habe. Die mitgebrachte Sprache zu bewahren gelang nur wenigen, denn es wurde zu keiner Zeit gefördert.

Jüngere Einwanderung oder besser Arbeitsmigration gibt es in Argentinien nur aus Nachbarländern wie Bolivien und Peru. Die von dort kommen, sind so katholisch wie die große Mehrheit der Argentinier und sprechen ebenso Spanisch. Dennoch werden sie häufig über die Schulter angesehen. Heute wandern Argentinier eher selbst ab, nach Brasilien, das Argentinien wirtschaftlich immer mehr abhängt oder nach Spanien. Nicht von ungefähr lebt nur einer der Spieler in der argentinischen Fußballnationalmannschaft in seinem Heimatland. Alle anderen verdienen ihr Fußballerbrot im Ausland.

Eine Gruppe von Menschen, die nach Argentinien gar nicht einwandern musste, weil sie schon immer da war, lebt in ihrem eigenen Land vielfach wie im Exil, an den Rand gedrängt, geographisch und sozial marginalisiert- die Indios.

27. Juni 2010

Nothelfer Weihwasser

In Cordoba wollen oder können viele Schüler nicht in Schule gehen, weil es zuhause Zoff gibt oder weil sie schlicht keine Lust haben, obwohl die Stadt sich mit dem Titel La Docta, die Gelehrte, schmückt. Da ist guter Rat teuer. Glücklicherweise verfügt die zweitgrößte Stadt Argentiniens über eine Generaldirektorin des städtischen Schulwesens, die dem allerhöchsten Nothelfer besonders nahe zu sein scheint. So kann sie den betroffenen Schulen Segen spenden, damit in Zukunft alles besser werde. Großzügig verteilt sie eine Wundergabe, die nur den Festen im Glauben zugänglich ist. Ich bringe den Schulen ein wenig Weihwasser und empfehle den Lehrern, zu beten und sich Gott anzuvertrauen, enthüllte Gabriela Almagro ihr Patentrezept im argentinischen Fernsehen. Weil sie öfter mit Schwierigkeiten konfrontiert wird, hat sie zuhause gleich einen ganzen Spender des heiligen Wassers stehen. Und auch in ihrem Büro hält sie das kostbare Nass immer vor.

Endlich geht mir ein Licht auf. Ich kannte Weihwasser bislang nur als Wasserspiegel in marmornen Becken am Kircheneingang. Erst in Argentinien sah ich schlichte Plastikbehälter in den Höfen vieler Kirchen, aus denen sich die Gläubigen Wasser in mitgebrachte Flaschen abgossen. Vielleicht haben viele Menschen ähnliche Pobleme wie Gabriela Almagro zu bewältigen und müssen zum Beispiel ihre Sprösslinge mit Gaben von Weihwasser in die Schulen komplimentieren.

Wie gut, dass in Cordoba der Gatte der Schulamtsdirektorin Bürgermeister ist und ihre Schwester für das Gesundsheitsamt zuständig zeichnet. So kann es in dieser gesegneten Stadt kaum Schwierigkeiten geben. Vielleicht versorgt Gabrielas Schwester ja auch die Ärzte mit Weihwasser.

26. Juni 2010

Schulden gehören ins Museum - Die argentinische Lösung

Jeder Privatmann wäre wohl glücklich, wenn er das auch könnte. Schulden machen und nicht oder nur teilweise zurückzahlen. Staaten können es, und Argentinien ist darin ein Meister. Das ist doch nur Papier, belehrte mich kürzlich ein Bankmensch, die Wirklichkeit ist etwas anderes, als ich dumm genug war, eine gesetzliche Regelung ernst zu nehmen und nicht gleich mitzudenken, wie sie umgangen wird.


So entwickelten sich die Schulden, die Argentinien seit dem Corralito, dem Staatsbankrott 2001, aufgehäuft hat, zu einem Dauerbrenner. Mal will man sie bezahlen, dann wieder nicht oder nur teilweise. Ankündigungsmeisterin Cristina Kirchner hatte dem Club de Paris, der Gruppe europäischer Gläubigerländer, sogar schon die volle Begleichung in bar in Aussicht gestellt, vorbei.
An allem sind die bösen internationalen Organisationen und die Gläubigerländer selbst schuld. Dass hinter diesen Ländern, allen voran Deutschland und die USA, Menschen stecken, die mit ihrem Steueraufkommen dafür gerade gestanden haben, vergisst man gerne.
Am meisten geprellt fühlen sich die Kleinsparer, die einstmals Tangobonds, argentinische Staatsanleihen, gekauft haben, über die Rückzahlungsverhandlungen alt geworden sind und nun in einer vollmundig als Chance für sie angekündigten Umschuldungsaktion neue Bonds zeichnen müssen, um vielleicht 2038 70% ihres Einsatzes erlösen zu können. Nicht nur, dass Argentinien bis dahin eine seiner endemischen hausgemachten Finanzkrisen erleben kann und auch die neuen Papiere dann wertlos werden, viele Gläubiger werden am Stichtag wohl schon tot sein. So stimmten zornige italienische Geschädigte vor einigen Tagen in Rom den Tango des geprellten Gläubigers an. Ich habe vor Jahren 150.000 Euro gezeichnet, meine gesamten Ersparnisse. 2038 werde ich wohl nicht mehr erleben, sagte Gianluca und sang aus voller Kehle von Argentinien, der reichen Diebin.

Gianluca und Eugenia, bei der Argentinien auch in der Kreide steht, wären wohl nicht die richtige Zielgruppe für eine originelle, echt argentinische Idee. Wohin gehören die Schulden? Si claro, ins Museum. In Buenos Aires gibt es für alles ein Museum, bis hin zur Ansammlung historischer Kloschüsseln. Aber den Vogel schießt wohl das Museo de la Deuda Externa in der Wirtschftswissenschaftlichen Fakultät der UBA ab, der staatlichen Universität. Dort können die Besucher für 12 Pesos Eintritt in drei Sälen die Saga der argentinischen Staatsschulden verfolgen und sich von der Geschichte der Durchschnittsfamilie Nogracias, Neindanke, und ihrem schweren Schicksal im Kampf gegen die perfiden internationalen Finanzinstitutionen und die ebenso bösen Gäubigerländer zu Krokodilstränen rühren lassen. Eine Serie von drei Comics nimmt sich der erschröcklichen Geschichte an.

Nun müsste nur noch die Saga der armen Gläubiger geschrieben werden. Eugenia, Gianluca und die durchschnittliche deutsche Steuerzahlerfamilie Zahltzurück böten sicher genug Stoff für eine etwas andere Story.
Foto aus Rom: La Nación, 22.6.2010
Foto aus dem Museum: La Nación, 25.6.2010

25. Juni 2010

Endlich connected II - Claudias Cyber-Schüler

Im vorigen August hatte ich über die Schule im ebeno malerischen wie abgelegenen Andendorf Iruya berichtet und über die Freude von Schülern und Lehrern, durch Internet nun endlich mit der Welt verbunden zu sein.

Inzwischen hat die Fundación Aprendiendo bajo la Cruz del Sur / Stiftung Lernen unter dem Kreuz des Südens, 85 Schulen in ländlichen Gemeinden mit Computern und dem nötigen Knowhow ausgestattet. In manchen dieser Schulen fehlt es an allem, und viele werden von oft benachteiligten Schülern aus der indigenen Bevölkerung besucht. Mit den Computern bekommen sie nun Zugang zu einem Wissenspool, der ihnen sonst verschlossen bliebe.


Möglich wurde dieser Schritt in die digitale Zukunft für die Schüler der Puna, der Hochebene in den nordwestargentinischen Anden, durch die Tatkraft und den Enthusiasmus einer Frau. Claudia Gómez Costa kam die zündende Idee, als die Grundschullehrerin mit einer behinderten Schülerin arbeitete. Claudia beschaffte für Mili, die nicht mit der Hand schreiben konnte, einen Computer und das Kind blühte auf. So entdeckte Claudia die Technologie als Tor zu neuen Chancen. Mit der eigenen Fortbildung fing sie an. Als erste Cyber-Studentin der Universität Quilmes bei Buenos Aires lernte sie, Unterrichten und neue Technologien zu verbinden. Mit Freunden, Kollegen und Nachbarn gründete sie dann 2004 die Stiftung. Inzwischen kann sie Firmen wie Microsoft, Dell und die argentinische Telefongesellschaft zu ihren Förderern zählen. Die Stiftung stellt nicht nur die Computer in die Schulen, sie sorgt auch dafür, dass Lehrer und Schüler damit umgehen können und dass sie connected bleiben. 200 bis 300 USD im Monat kostet das pro Schule.

Von sich selbst und ihrem Kampf gegen eine ernste Krankheit spricht die Mutter von vier Kindern kaum. Sie lässt lieber ihre Kollegen in den gefördeten Schulen zu Wort kommen. Es ist als gehe der Himmel über uns auf, sagten ihr die Lehrer. Und darin sind so viele neue Möglichkeiten. Kommunikation, nicht mehr isoliert zu sein, die Gesundheit der Schüler verbessern und in Notfällen Hilfe herbeirufen zu können, uns selbst fortzubilden, um unsere Schüler besser ausrüsten zu können.

Wer mehr erfahren oder helfen möchte, denn weiterhin fehlt es an Vielem, schreibe an claudia.gomezcosta@gmail.com

Foto: La Nación, 13.6.2010

20. Juni 2010

Candombe - Afro meets Latin


Von Ferne ist ein leichter Trommelwirbel zu hören. Die Trommeln kommen näher, bis wir eingehüllt sind in pulsierende Candomberhythmen. Wir, das ist nicht etwa eine Truppe von Abenteurern mitten in Afrika, sondern eine Gruppe kreuznormaler Vernissage-Besucher im hippen Boutique- und Galerieviertel von Buenos Aires, in Palermo Soho. Dort hat es sich die neue Galerie Mar Dulce der Schottin Linda Neilson und des Porteno Ral Veroni zum Programm gemacht, Kunst aus Argentinien und Uruguay rund um den Rio de la Plata zu zeigen. So kam Diego Bianki mit seinen fröhlichen, starkfarbigen Bildern rund um den Candombe und den Karneval von Montevideo nach Buenos Aires und brachte die Trommler mit.


Mit Trommeln und Tanzen hielten die schwarzen Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern von Brasilien und den Estancias von Uruguay die Erinnerung an ihre ferne afrikanische Heimat wach. So entstand der Candombe. Bis heute ist er am anderen Ufer des Mar Dulce lebendig geblieben. Vor allem der Karneval ist in Montevideo und der Grenzstadt Colonia de Sacramento Candombezeit.


Was wir in Palermo zu hören bekommen, ist Candombe Lubolo, Candombe, der von Weißen gespielt wird. Im Karneval malen sie sich schwarz an, denn zur Kolonialzeit mussten die comparsas, die Bandmitglieder, schwarz sein. Für einmal geht es in die umgekehrte Richtung. Nicht Weißsein ist begehrt, sondern schwarzes Mimikri. Ta-ra-ca-tá, ta-ra-ca-tá, ta-ra-ca-tá. Mit wirbelndem Stock und mit der Hand schlagen die Spieler auf ihren Trommeln, die wie Obelisks Bauch aussehen, den Rhythmus, auf der chico, der repique und der piano. Mir juckt es in den Beinen. Ach,wäre doch gerade Karneval und ich könnte tanzen wie alle anderen um mich herum!



Abbildungen aus: Diego Bianki, Candombe. Pequeno Editor, Buenos Aires 2009
Ausstellung: Candombe Lubolo. Galeria Mar Dulce, Buenos Aires, Uriate 1490, 19.6.-31.7.2010
























19. Juni 2010

Starke Bilder - Schicke Youngsters

Gleich zwei Galerien in meinem Wohnviertel luden diese Woche zur Vernissage. Beim angesagten Kunsthändler und Hausnachbarn Ignacio Liprandi gaben die Besucher mehr her als die ausgestellten Bilder. Diese Galerie zieht die Jugend an, besonders die smart herausgeputzte, oh so cool. Man trifft sich, man kennt sich, da sind die Bilder eigentlich Nebensache. Die Zeichnungen und Radierungen von Tomás Espina enttäuschten. Unentschieden zwischen figurativ und semiabstrakt lavierend, ließen sie die Bedeutung nicht ahnen, die ihnen die eigens bemühte Kuratorin auf ihrer Textbeigabe, die man sich von einem Block an der Wand abreißen konnte, mit gelehrten Worten beimaß.

Wie anders dagegen die Ausstellung in der Galerie Jacques Martínez in der Avenida de Mayo 1130! Der Galerist, unterstützt von seiner Tocher Clara, stellte einen der Künstlerfreunde aus, mit denen er in einer früheren Galerie in den Siebzigern und Achtzigern umgegangen war, und der inzwischen zum Grundbestand zeitgenössischer argentinischer Kunst gehört: Ernesto Deira. Von Deira waren Werke seines wichtigsten Schaffensjahrzehnts von 1967 bis 1977 zu sehen, die selten an die Öffentlichkeit gelangen. Die meisten sind heute in Privatsammlungen zu finden. Eine gebeugte Magdalena, deren Körper sich aus runden abstrakten Formen herausschält, das gelb leuchtende Rund eines Predigergesichts, diese packenden Menschendarstellungen sind fern jeder unverbindlichen Ästhetik. Ob die christlichen Motive einem Ausweichen auf scheinbarunverfängliche Thematik in der Militärdiktatur geschuldet sind, wie im Katalog nahegelegt wird, sei dahingestellt. Nahezu jedes dieser Bilder überzeugt in der künstlerischen Bewältigung der gestellten Aufgabe und weist über die Zeit seines Entstehens hinaus.

Bei Martínez traf sich das kunstbeflissene und wohl eher betuchte Bürgertum und ließ sich von Clara die detektivische Suche nach Deiras Werken erzählen bis hin zum Hauptstück der Ausstellung, einer Kreuzigung nach Matthias Grünewald. Den Grünewald des Isenheimer Altars benannte Deira als seinen bevorzugten europäischen Künstler, so erfuhren wir.

Grünewald konzentriert in seinem Bild Werte aus einer Welt, die sich heute aufgelöst hat. Sie aufzugreifen, impliziert Melancholie, Frömmigkeit und Ironie. Deshalb fehlt meinen Figuren das Volumen, die Dichte des Schmerzes, den Grünewald im Original zum Ausdruck brachte. Nicht weil ich das weglassen wollte, sondern weil die Mitte verloren gegangen ist, die Mitte, aus der sich der Mensch bis zu seiner völligen Zersplitterung entfernt hat. Mit dieser melancholischen Botschaft wird Deira im Katalog zitiert. Er ging schließlich während der Militärdiktatur ins Pariser Exil und starb dort 1986.

Abbildung aus adn Cultura, Beilage zu La Nación, 19.6.2010

Im Fußballfieber I oder Der Messias ist da!

Alle Welt ist in diesen Wochen fußballverrückt, aber Argentinien noch mehr. Wie nirgends sonst ist Fußball nationale Angelegenheit und Leidenschaft eines ganzen Volkes. La Pasión Bocense, die Passion von La Boca, heißt das Museum des Clubs, den Diego Maradona, der begnadete Spieler und umstrittene Trainer der Nationalmannschaft, groß gemacht hat. Herrscht schon das ganze Jahr über Fußballfieber, so erreicht es jetzt zur WM den Siedepunkt.

Nicht nur sind an allen möglichen und unnmöglichen Stellen Fernsehschirme aufgestellt, auch die Schulunterrichts- und Arbeitszeiten passen sich dem Zeitplan der Spiele an. Wenn Argentinien am Ball ist, erstirbt alles Leben in der 12-Millionen-Einwohner-Metropole am Rio de la Plata.

Spieler und Trainer genießen geradezu kultische Verehrung. Presse und Fernsehen versuchen einander ständig mit Huldigungen an den Fußballgott zu übertrumpfen. Lionel Messi, weltbester Spieler und obwohl seit Jahren beim FC Barcelona unter Vertrag, für die WM heimgekehrt, wurde von der konservativen alten Dame La Nación gar als Messias apostrophiert.

Die fliegenden Händler haben Hochkonjunktur. Fähnchen, Schleifen, Rosetten, Anstecker und Aufkleber tauchen die City in die hübschen Landesfarben hellblau und weiß. Mögen andere sich über den Krach, den die südafrikanische Vuvuzela bei den Spielen macht, aufregen. Argentinier machen das Beste daraus und verkaufen die Tröte in ihren Landesfarben haufenweise. Weniger erbaut sind die Immobilienmakler. Sie klagen, ihr Geschäft ruhe fast völlig. Wir denken nach der WM über einen Kauf nach, sei die ständige Rede ihrer Kunden.

Not amused war auch Südafrika. Es wies einige der angereisten Barrabravas, der militanten argentinischen Hooligans, kurzerhand aus, waren die meisten doch wegen Randalierens und anderer Gewaltdelikte vorbestraft. In Argentinien sieht man das lässiger. Viele Barrabravas stehen der Regierung nahe und tauchen auch bei einschlägigen politischen Demonstrationen auf, die in Buenos Aires zum Alltag gehören.

Lachende Dritte sind die beiden Ks. Das regierende Ehepaar Kirchner, seit einem Jahr von allerlei gößtenteils selbstverschuldeten Problemen geplagt, setzt ganz auf Brot und Spiele. Man ist sicher, dass die Mundial, wie die WM hierzulande heißt, der Regierung Auftrieb geben wird, besonders natürlich wenn Argentinien gewinnt, wovon alle stolzen Argentinier überzeugt sind. Flugs wurde ein Propagandaheftchen unter die Leute gebracht, das Expräsident Nestor Kirchner, der nach dem Intermezzo der Regentschaft seiner Ehefrau 2011 wieder als Kandidat antreten will, wie Messi im Heiligenschein zeigt. Die Sonne, die die argentinische Flagge schmückt, geht hinter dem Haupt des Prätendenten auf, und innen findet man in dem Heftchen handlich alle Spieldaten der Mundial zusammengefasst.

Argentina Campeón: La Nación, 17.6.2010
El Messias Lionel Messi: La Nación, 25.5.2010

9. Juni 2010

Bicentenario - Nachlese II

Am 25. Mai wurde nicht nur das Haus in dem ich wohne, La Inmobilaria, genau 100 Jahre alt, auch Héctor di Pietro konnte in seinem Laden das Hundertste feiern. Ebenso lange existiert der Hutmacherladen di Pietro im nordwestlichen Nachbarstädtchen Morón, gleich neben der Kathedrale. Wie so viele stammt di Pietro von italienischen Einwanderern ab. Großvater Francisco begann mit der Hutmacherei. Ich bin verrückt, sagt Héctor von sich selbst, dass ich mit diesem Handwerk immer noch weitermache. 20 Hüte schafft er zusammen mit seiner Frau Angelita an guten Tagen. Einen Hut fürs Leben kann man bei di Pietro finden, Handarbeit für ganze 230 Pesos (108 €).

Seine Kunden reisen aus der Haupstadt an. Sie suchen die klassichen Modelle, den Gardeliano, den Tangosänger Carlos Gardel unsterblich gemacht hat oder den Sombrero des Estancieros, des Landgutbesitzers. Die Tage, in denen die Frauen ihm die Pillenschachteln à la Jackie Kennedy aus den Händen rissen, sind vorbei. Hut zu Jeans und Espadrillas mag Héctor gar nicht. Aber man muss mit der Zeit gehen, Nostalgie ist seine Sache nicht. So wird er weiterarbeiten, damit jedermann und jedefrau auch in Zukunft die passende Kopfbedeckung bei di Pietro findet.

Foto: La Nación, 4.6.2010

Bicentenario - Nachlese I

Gerade noch rechtzeitig ist sie fertig geworden: die Casa de Bicentenario. Die Frauen haben die Nase vorn. Auf drei Etagen verteilt, gibt es eine Gesamtschau der Mujeres de la Argentina 1810-2010. Ein gut inszeniertes Ensemble von Fotos, Objekten, Filmen ud Liveinterviews soll ein Bild der argentinischen Frau in den letzten 200 Jahren vermitteln. Ein wenig beliebig, aber umfangreich. So findet jeder etwas. Die Stimmen der bekanntesten Dichterinnen lassen sich per Tonband anhören. Unvermittelt steht die Mühsal von Indiofrau in den Dörfen des Nordens und Nordwesten neben einer Reihe rüschiger Hochzeitskleider. Auf drei Bildschirmen erzählen männliche Passanten von ihrer argentinischen Traumfrau. Evita, die Herzköngin, ist fast immer dabei. Wer von der Peronstin weniger angetan ist, vemeidet das vertrauliche Evita und spricht von Eva Perón. Aber die Wichtigste war sie, davon sind alle überzeugt. Weit abgeschlagen die Frauenrechtlerin Alicia Moreau de Justo, die Amazone Juana Azurduy und die heutige Erste Dame, Cristina Kirchner. Vielen Männern sind die eigene Mutter oder Ehefrau näher als die abgehobenen Gestalten der Geschichte. Immerhin ist in diesem Land des machismo schon 1999 ein Gesetz verabschiedet worden, das 30% weibliche Parlamentskandidaten vorschreibt, und tatsächlich sieht man viele Frauen im Congreso auf den Abgeordnetenbänken.

Die Zeit des breitformatigen Ölschinkens in einem der Ausstellungsräume scheint fern zu sein. Um die Campana del Desierto zu rechtfertigen, den brutalen Vernichtungsfelzug gegen die indianische Urbevölkerung im 19. Jarhhundert, hatte der Maler nicht mit dick aufgetragener Symbolik gespart. Da reitet eine Horde nackter Wilder quer durchs Gemälde. Der vorderste hat eine halbnackte weiße Frau vor sich auf dem Sattel. Hilflos-lustvoll leuchtet ihr weißer Leib und flattert ihr langes Haar. Der nächste hat ein Kreuz erobert, und ein anderer hat eine (Schatz)kiste vor sich. Die cautiva blanca, die weiße Gefangene, entzündete und beflügelte Männerphantasien. Sie rauben uns unsere Frauen, unseren Glauben und unser Geld, also nieder mit ihnen, war die Botschaft.

Im Parterre läuft ein Zusammenschnitt von alten Filmen und Wochenschauen zur argentinischen Geschichte. Da gibt es weit weniger Frauen zu sehen. Viele hochtönende Reden werden geschwungen, Straßenschlachten geschlagen und rote Teppiche ausgerollt. Vowiegend älteres Publikum hat sich zur Betrachtung dieses patriotischen Kaleidoskops eingefunden. Die Jüngeren tummeln sich derweil in einer knallbunten, flimmernden Kunstschau im Centro Cultural Recoleta, wo sich in der Ausstellung Fase 2 die junge Kunstszene mit ihren Zukunfstvisionen austobt.

Abbildung aus dem Programmheft von Fase 2

5. Juni 2010

Fremde Eingeborene - Afrikaanse Literatur seit dem Ende der Apartheid


Wer sich im Städtchen Paarl umsieht, erblickt auf einem Hügel ein seltsames Monument. Betonnadeln ragen auf. Die überdimensionierten Backenzähne gehören zum Taalmonument. Stolz darauf, dass Afrikaans als offizielle Sprache Südafrikas anerkannt worden war, errichteten die Buren ihrer Taal ein Denkmal. Es ist uns ernst, steht am Sockel. Ernst wurde es auch für die anderen. Die Buren drückten ihre Sprache allen Bevölkerungsgruppen auf und mit ihr die Ideologie der Apartheid. Entsprechend verhasst war sie, obwohl einst selbst als Befreiungsschlag entstanden. Aus dem Korsett des kolonialen Holländischen wollte man heraus und wertete den Dialekt auf: eine Kreolsprache mit vereinfachter Grammatik und einem Wortschatz, der sich auch aus den Küchen speiste, in denen die malaiischen Sklaven arbeiteten. Edith Werner hat sich damit beschäftigt.

Afrikaans ist mit dem doppelten Makel behaftet, eine Küchensprache und das Idiom der Unterdrückung zu sein. Dabei gerät aus dem Blick, dass es eine Literaturtradition aufbauen konnte, in der es seine Ausdrucksmittel erweiterte und verfeinerte. Die Naturlyrik von Louis Leipoldt und Eugene Marais, die Versdramen von N.P. van Wyk Louw, später die Gedichte von Breyten Breytenbach und Wilma Stockenström sowie die Romane von Karel Schoeman und André Brink müssen sich hinter der englischsprachigen Literatur nicht verstecken. „Afrikaans kann alles ausdrücken“, ist Peter Horn überzeugt, ein der Burentümelei unverdächtiger Germanist. Es kann von deftiger Direktheit sein und von zarter Innigkeit. Sogar über sich selbst lachen kann es. Literaturnobelpreisträger John Coetzee, aus englisch-afrikaanser Familie, bekennt in seinen Kind heitserinnerungen: „Afrikaans ist wie ein Zaubermantel, der den Jungen überall hin begleitet auf einem Weg, der einfacher, heiterer und heller ist.“

Heute steht die afrikaanse Literatur unter dem Druck, sich gegenüber dem dominanten Englisch behaupten zu müssen, obwohl Afrikaans nach Zulu und Xhosa die meistgesprochene Muttersprache ist. Afrikaanse Bücher werden vom breiten Publikum nur wahrgenommen, wenn sie auch auf Englisch erscheinen. International erfolgreiche Autoren wie André Brink und Deon Meyer publizieren parallel in beiden Sprachen. Doch haben Verlage wie Tafelberg, Human & Rousseau, Kwela und Umuzi stets afrikaanse Literatur im Programm. Auf die politische Marginalisierung reagieren afrikaanse Schriftsteller unterschiedlich. Ihr prekär gewordenes Selbstverständnis bringt Journalist und Musiker Rian Malan am deutlichsten auf den Punkt. Alien Inboorling / Resident Alien betitelte er seine Reportagensammlung und sein jüngstens Liederalbum (2005). Ihre 350 jährige Siedlungsgeschichte macht sie zu Eingeborenen, ihre Hautfarbe und Verstrickung in die Apartheid zu Fremden. Die extremste Position nimmt Lyrikerin und Essayistin Antjie Krog ein. Schon der Titel ihrer Collage aus historischen Aufzeichnungen, dem Report über eine Mordaffäre und Tagebuchbekenntnissen, zeigt wo Krogs Reise hingehen soll, in die schwarze Haut: Begging to Be Black (2009). Im vorausgegangenen Buch A Change of Tongue (2003) hatte sie den Verlust des Afrikaans beklagt. Sie tat es zuerst auf Englisch und machte damit das Dilemma deutlich, in dem Afrikaans als Literatursprache steckt.

„Sie weiß, unser Bleiben in Afrika ist nicht dauerhaft“, resigniert die Heldin von Malene Breytenbachs Siedlerroman Gister is ´n ver land (Gestern ist ein fernes Land), der im Nachbarland Simbabwe spielt. Auch für Südafrika könnte es gelten. Rian Malan sucht in einem TV-Feature den letzten Afrikaaner (The last Afrikaner, 2004), und Karel Schoeman betitelt seine Autobiographie als Die laaste Afrikaanse boek (Das letzte afrikaanse Buch, 2002). Wo sie einen neuen Blick auf die Vergangenheit freisetzt, kann diese Haltung fruchtbar werden. So beugt sich Karel Schoeman in neueren Veröffentlichungen wie Kinders van die Kompanjie (Kinder der Kompagnie, 2006) und Seven Khoi Lives: Cape Biographies of the Seventeens Century (Sieben Khoi-Leben, 2009) mit archäologischer Genauigkeit und detailverliebter Fabulierlust über die Kolonialzeit. Der historische Roman war in der afrikaansen Literatur immer eine beliebte Gattung. Heute dient er nicht mehr politischer Mythenbildung.Er kommt kritisch daher, wie in Ingrid Winterbachs Roman Niggie (2002), der im Burenkrieg spielt, oder skurril wie in Bidsprinkaan (Kupidos Chronik, Osburg Verlag 2009, Übers. Inge Leipold) von André Brink über einen farbigen Missionar im kargen Nordkap. Ganz heutig ist die Burenkriegsrückblende Fees van die Ongenooides (Fest für die Ungebetenen) von P.G. du Plessis (2008). Es geht um die Kraft der Erinnerung und um das Vergessen. Vielfach durch Perspektiven- und Ortswechsel gebrochen ist Etienne van Heerdens Geschichte einer Burenfamilie in 30 nagte in Amsterdam (30 Nächte in Amsterdam, 2008).

Oft liest man in Autorenviten „aufgewachsen auf einer Farm“. Gab Olive Schreiner einst mit The Story of an African Farm (Geschichte einer afrikanischen Farm, Diogenes Verlag 1988, Übers. Elisabeth Schnack, vergr.) den Ton an, so ist der bäuerliche Hintergrund auch heute noch Lebenswirklichkeit und Erzählgegenstand, jenseits von verschwiemelter Blut- und Bodenromantik. Die Journalistin Karin Brynard greift in Plaasmoord (Farmmord, 2009) ein aktuelles, stark politisiertes Thema auf. Eine Bande von Viehdieben, schwarze Magie, weiße Suprematisten und die kontroverse Landumverteilung werden zum Thriller verkocht. Bevorzugte Projektionsfläche im Seelenhaushalt der Südafrikaner ist die emblematische Steppenlandschaft des Karoo. In der Titelgeschichte seiner neuesten Kurzkrimisammlung Schwarz. Weiß. Tot. (Aufbau Verlag 2009, Übers. Stefanie Schäfer) verlegt auch Deon Meyer den Plot in die Karoonag (Karoonacht, 2009).

Im Land der Umverteilung von Unternehmensanteilen aus weißen in schwarze Hände, bei der es nicht ohne Korruption abgeht, gedeiht der Wirtschaftskrimi. Autor Carel van der Merwe erlebte als Topmanager multinationaler Unternehmen die Chefetagen zwischen Johannesburg und London von innen. Ein Fegefeuer der Eitelkeiten ist Geldwolf (Geldhai, 2008), angesiedelt im südafrikanischen Finanz- und Regierungsmilieu.

Aus den afrikaansen Neuerscheinungen ragen zwei Romane heraus. Nicht nur nach ihrem Umfang, auch nach ihrer literarischen Bedeutung haben Triomf (1994) und Agaat (2004) von Marlene van Niekerk Gewicht. Beide heimsten südafri kanische und internationale Preise ein und wurden ins Englische übersetzt, Triomf auch verfilmt. Es ist kein Triumph, wenn man es nicht weiter als bis nach Triomf, dem ärmlichen Johannesburger Vorort, gebracht hat. Dort schlagen sich vier arme Weiße im Vorfeld der ersten demokratischen Wahlen Südafrikas durch, so gut es geht. In Agaat nehmen wir Teil an der so widersprüchlichen wie intimen Beziehung zwischen einer alten, kranken Weißen und ihrer farbigen Pflegerin. Im Times Literary Supplement wurde Agaat als der bedeutendste Roman seit Coetzees Schande genannt. Der deutsche Buchmarkt kann noch eine Entdeckung machen.
Was würde die farbige Pflegerin erzählen, wenn sie selbst ein Buch schriebe? Die drei Millionen farbigen – gemischtrassischen – Einwohner Südafrikas teilen mit den Buren die Muttersprache. In der Literatur aber sind sie unter repräsentiert. Zoë Wicomb, eine Griekwa, die in Schottland lebt, schreibt ihre Romane um das zwiespältige Selbst verständnis der Farbigen auf Englisch. Auch die Kapmalaiin Rayda Jacobs hat sich nach langem Exil in Kanada für Englisch entschieden. Einige Neuerscheinungen lassen aber hoffen, dass auch in Afrikaans etwas in Bewegung gerät. Bettina Wyngaard fand sich von der Literatur so wenig angesprochen, dass sie keine Lust mehr hatte, Afrikaans zu lesen. So schrieb sie selbst eine Geschichte: Troos vir die Gebrokenes (Trost für die Gebrochene, 2009). Drei Frauen und ihr mühseliges Leben auf dem platten Land stehen im Mittelpunkt. Um eine religiös verbrämte Mordserie und eine Siedlung, die sich dagegen wehrt, geht es in Die Evangelis van Kaggelsberg (Der Evangelist von Kaggelsberg, 2009). Das wirkliche Kaggelsberg hat Autor Abraham Philips erlebt und erlitten. Einen renommierten nationalen Lyrikpreis erhielt 2009 Ronelda Kamfer für ihre Gedichtsammlung Noudat slapende honde (Jetzt wo schlafende Hunde). Die 29-jährige bringt darin ihr zwiespältiges Verhältnis zum Afrikaans zum Ausdruck: „Noudat ek Afrikaans praat /…soek die verlede my nog steeds in die rëen“ (Sprech´ich Afrikaans /…sucht mich im Regen stets die Vergangenheit).

Die afrikaanse Lyrik hat immer eine bevorzugte Stellung eingenommen. Gedichte wie Oktobermaand (Oktobermonat) von Leipoldt und Winternag (Winternacht) von Marais sind noch 100 Jahre nach ihrem Erscheinen populär. Antjie Krog wurde zuerst als Lyrikerin bekannt, und die Anthologie neuer Gedichte Versindaba (2009), vom rührigen Buchhändler und Poeten Louis Esterhuizen zusammengestellt, stand auf der Bestsellerliste. Ebenso lebendig ist das afrikaanse Drama, das in einer Reihe von Festivals vom KKNK im Klein Karoo bis zu Aardklop in Potchefstroom jedes Jahr eine Leistungsschau erlebt. In seinem schrillen Theater Evita se Perron im Westküstenstädtchen Darling zieht Kabarettist und Dramatiker Peter Dirk Uys alias Evita Bezuidenhout die heiligsten Werte der Buren durch den Kakao, witzig und wachsam gegen jede Form von altem und neuem Machtmissbrauch. Tannie Evita, die zur Demokratin gewandelte Burenmatrone, hat das letzte Wort: „Die Zukunft ist sicher. Es ist die Vergangenheit, die unvorhersehbar ist“.


26. Mai 2010

Bicentenario - Vierter und letzter Tag oder "Lasst Millionen um mich sein!"

Zwei Millionen Menschen, fast soviele wie in ganz Hamburg wohnen, tummelten sich gestern im Zentrum von Buenos Aires rund um den Obelisken und feiertern sich selbst und den 200. Geburtstag ihres Landes. Das Jubelfest erreichte am Abend mit einem historischen Bilderbogen in 19 Szenen von den Befreiungskämpfen über die Zeit der Einwanderung und den folgenden Wirtschaftsaufschwung bis zur jüngsten Militärdiktatur und deren Überwindung seinen Höhepunkt. Auf der Ehrentribüne konnte die Präsidentin mit der geballten Prominenz von neun südamerikanischen Staatschefs aufwarten. Viva Argentina, tönte es aus tausenden von Kehlen, aus nicht ganz so vielen auch Viva Perón und Viva Cristina.

Vor dem Cabildo, dem Rathaus, das in seinem Kern noch aus der spanischen Kolonialzeit stammt, hatten Hunderte die Nacht zuvor Wache gehalten, um in den 25. Mai hineinfeiern zu können. Eine etwas andere Nachtwache fand auf der Plaza del Congreso unter meinen Fenstern statt und hielt auch mich bis in die Morgenstunden wach. Alle Gruppen links von der Regierung und die Vertreter der Indios begingen ein alternatives Gedenkfest. Indianische Gesänge auf Ketchua und Guaraní, viele, viele flammende Ansprachen und immer wieder Trommelwirbel lösten sich ab. Vor der Tribüne tanzten Murgas, Karnevalsfiguren, zum stampfenden Rhythmus der Trommeln. An Buchständen konnte man die Werke von Carlos Marx oder einen Band mit Stalin-Interviews erwerben. Nebenan brodelte ein puchero, ein Eintopf, überm Feuer. Die zweite Unabhängigkeit forderte man ein. Nach der ersten von Spanien vor 200 Jahren nun die Unabhängigkeit der Indios auf ihrem Land und die Unabhängigkeit von der Globaliserung. Nur ein kleines Häuflein von Zuschauer hatte sich eingefunden. Man war unter sich. Die Regierung schien ihren Schmuddelkindern diese Spielwiese eingeräumt zu haben, damit sie nicht bei der Feier der Großen störten.
Aus einem Pulk begeisterter Peronisten konnte ich mich am Festabend schließlich hinauswinden und feierte mit einigen anderen Portenos in der Halle des schönsten Bürogebäudes von Buenos Aires, im Barolo, den veinticinco de Mayo mit einem hinreißend verrockten Tangokonzert. Baile, baile companero, la vida es una milonga.
Fotos: La Nación, 26.5.2010