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24. Juni 2017

Democratic Alliance or Fear & Opportunism

On June  3, 2017 Mr. Mmusi Maimane, leader of the South African oppostion party Democratic Alliance (DA) announced the dismissal of Western Cape Prime Minister and former DA leader Helen Zille of all her functions in the party. While the governing ANC is looting the country more and more shamlessly Helen Zille's only crime was to have tweeted that not all what colonialism brought was bad citing the rule of law amongst others. No help that Ms Zille has an impeccable struggle record having been the first to investigate the murder of antiapartheid hero Steve Biko and having given shelter to underground fighters in here home, No help that she managed to broaden the electorate of the formerly tiny opposition party to 22 % of votes, No help that the province she governs is the only well run in the whole country. She must go. May be, later on even as Premier of the Western Cape.

One may ask why a party divests herself of such an accomplished leader. The answer is as simple as it is alarming. Mr. Maimane and his faction within the DA are fearing the governing ANC and his defamation campaign against Ms. Zille. Mr. Maimane wants to win more black votes, whatever the political costs may be. Helen Zille's fault: she is white and she is outspoken. Mmusi Maimane still has to prove that his strategy dictated by fear and opportunism will be succesful. One looser is already manifest, the very democracy which the DA claims to cherish above all.

As an occasional  however minor supporter of the DA I asked the local and national authorities to show more level headed leadership and refrain from punishing Ms. Zille because of a trifle (see my blog entry of March 25, 2017). I never got an answer although the DA claims to come back to any query within a couple of days. You are very welcome to support but ask no questions and don't criticise, please. In that respect the DA is not far from the ruling ANC. Both insist on absolute loyality.   

9. April 2016

Geschichte zweier Söhne



Was macht ein Sohn, wenn sein Vater oder seine Mutter ein hohes Tier in der südafrikanischen Politik ist? Das kommt drauf an.

Wenn er Duduzane Zuma heißt und Sohn des Präsidenten Jacob Zuma ist, wird er reich. Er wird Mitinhaber mehrerer großer Firmen, ein Tenderpreneur. Das ist nicht etwa ein besonders zart besaiteter Unternehmer, sondern einer, dessen Firma Regierungsausschreibungen für Aufträge oder Anteile an Unternehmen mittels BEE (Black Economic Empowerment) bekommen. Ein Schelm wer gleich denkt, da könnte Nepotismus im Spiel sein.

Heißt er aber Paul Maree und ist Sohn der Ministerpräsidentin der Provinz Westkap, Helen Zille, dann wird er Mathematiklehrer und arbeitet am Centre of Science and Technology daran, Schülern zu besseren Lernmöglichkeiten in Mathematik und Naturwissenschaften zu verhelfen.  2014 gründete Paul Maree mit einem Kollegen das E-Learning Projekt Papervideo. Für Schüler der Jahrgänge 10 bis 12 entwickelt Papervideo Lehr- und Übungsmaterial. Der Pfiff ist, dass jede Übungsfrage mit einem Video verlinkt ist, in dem ein erfahrener Lehrer den Schüler Schritt für Schritt durch die Aufgabe und zur Lösung führt. Angesichts der desolaten Unterrichtssituation in vielen Schulen und der besonders niedrigen Lernerfolge inMathematik und Naturwissenschaften, vor allem in den Townships, ist das eine große Hilfe.  Papervideo soll nicht etwa den Lehrer in der Klasse ersetzen. Es gibt aber Schülern, die sich Nachhilfe nicht leisten könnten, einen mit einmaligen Kosten von 200 Rand (12 €) bezahlbaren Tutor an die Hand, den sie abends mit nach Hause nehmen können.
 
Bildnachweise: Die Burger 4.4.2016


Mathematiklehrer Paul Maree in einer Klasse im Township Kayelitsha 


Schüler Aphiwe Mlungu von der Wynberg Boys‘ High School hat seine Testergebnisse mit Hilfe von Papervideo von 38 auf 69% verbessern können

29. März 2016

Atlantis, die verlorene Stadt



Die Suche nach Platons Atlantis hat nie aufgehört. Dabei lässt sich mindestens seit den 70er-Jahren des 20.Jahrhunderts die Lage des Ortes ganz exakt beschreiben: 33° 34´ S 18° 29´E sind die Koordinaten und die Fläche ist 28 Quadratkilometer. Warum man nicht früher drauf gekommen ist? Keine Ahnung. Die Suche 

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auf den Bahamas oder in Florida hätte nicht zum richtigen Ziel geführt. Aber an der Südspitze Afrikas hätte man fündig werden können, genauer gesagt 40 Kilometer nördlich von Kapstadt, von der Westküste Südafrikas ein wenig landeinwärts in die semi-aride Landschaft. Fast 70.000 Menschen leben dort, davon 85 % Mischlinge (sog.Coloureds) und fast 13 % Schwarze. Sie sprechen weit überwiegend Afrikaans, sind im Durchschnitt 26 Jahre jung und zu mehr als 90 % Christen. Doch sie leben nicht in rosigen Verhältnissen, wie man sich das als klassisch gebildeter Mensch vorstellen könnte.

Eben in den 70er-Jahren hatte die weiße Apartheid-Regierung in ihrem Rassentrennungswahn den Ort projektiert als Wohnstadt für 500.000 Coloureds und zur Industrieansiedlung. Allerdings wurden die Fördermaßnahmen für Firmen schon 1989 wieder abgebaut, sodass die meisten Fabriken wieder abzogen. 1992 betrug die Arbeitslosenquote 40%, 1996 hatten 56% der Haushalte keine festen monatlichen Einkünfte und bald waren nur noch 3% der ursprünglichen Firmenansiedlungen übrig. 2005, als das durchschnittliche Jahreseinkommen in Atlantis 10.233 Euro betrug, gab es dort 35 identifizierte Drogenverkaufsstellen und geringfügigt mehr Verkaufsstellen für Alkohol als Gotteshäuser der verschiedenen Denominationen zusammen, wobei die Erweckungskirchen den größten Anteil stellen. Die großflächig angelegte Stadt, immerhin die zweitgrößte nach Kapstadt im Westkap, kam weiter herunter und hieß bald die „verlorene bzw. vergessene Stadt“, weitgehend abgeschnitten vom reichen, weißen Kapstadt und gezeichnet von Arbeitslosigkeit, Armut, Alkohol- und Drogenkonsum, HIV/Aids, Wohnungsnot und Kriminalität.
Bei der Verbrechenshäufigkeit lag Atlantis stets in der Spitzengruppe der offiziellen Statistik in einem Land, in dem die Gewaltkriminalität ohnedies zu den höchsten der Welt zählt. Im Jahre 2014 gab es in dem Ort praktisch ebenso viele Morde wie zehn Jahre zuvor, nämlich 37. Die Zahl der Sexualdelikte ist geringfügig zurückgegangen auf 101 Fälle, nicht jedoch die der - bekannt gewordenen- Sexualverbrechen gegen Kinder.(in ganz Südafrikaerschreckend hoch mit 25.578 registrierten Fällen beispielsweise in 2000). In einem Bericht des Kinder-Instituts der Universität von Kapstadt heißt es in diesem Zusammenhang. „Arbeitslosigkeit, zügelloser Alkoholkonsum, ärmliche, heruntergekommene Umgebung, Verbrechen und Gewalttätigkeit sind weit verbreitet in Atlantis“ und trügen entscheidend zu sexuellen An- und Übergriffen auf Kinder bei. Auch die Zahl der an HIV/Aids Erkrankten ist hier höher als vielerorts. Schwerer Raub, Brandstiftung und vor allem Delikte im Zusammenhang mit Drogenhaben gegenüber früheren Jahren deutlich zugenommen, wobei letztere 2014 mit 1.669.Fällen dreimal so hoch waren wie 2004. Dieselben Gangs wie in den Townships um Kapstadt treiben ihr Unwesen auch in Atlantis. In Atlantis waren mehr Personen 

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Wohnblöcke in Atlantis 

stellungslos als in Lohn und Brot. 14 Kilometer vom Ort entfernt steht das einzige Kernkraftwerk Südafrikas. Einer der Ortsteile heißt ganz offiziell „Witsand Informal“, wo in einer wilden Siedlung rund 5.000 Menschen auf 0,62 Quadratkilometern in selbst errichteten schäbigen Hütten leben. Eine Überschrift des Internetdienstes West Cape News vom 29.Dezember 2014 lautet: „Mann stirbt, 150 obdachlos nach Atlantis-Brand“. 50 Hütten waren abgebrannt und die Nachbarn stocherten in der Asche nach Brauchbarem. Soweit, so schlecht. Seit 2006 hat sich in Atlantis eine Gruppe gebildet, die Gewaltvorbeugung zum Ziel hat und unter anderem „Konfliktlösungen zur Verhinderung von Schusswechseln“ anstrebt.

Natürlich fiel dieser desolate Zustand mit der Zeit auch den Politikern auf, jenen in der ANC-Zentralregierung in Pretoria sowie der Provinzregierung im Westkap und im Rathaus von Kapstadt, die beide von der oppositionellen Democratic Alliance gestellt werden. Pläne wurden erarbeitet, Versprechen gemacht, in deren Gefolge sich immerhin einige Veränderungen zum Besseren ergeben haben oder noch ergeben sollen. 2013.gelang es, das chinesische Unternehmen Hisense mit Fertigungsstätten in China, Ungarn, Ägypten Algerien und Frankreich zu interessieren. Seither hat dieses Unternehmen in Atlantis 350 Millionen Rand investiert und produziert dort auf gut 25.000 Quadratmetern Fläche Fernsehgeräte und Kühlschränke; das bedeutet neben Ausbildungsprogrammen vorerst 300 Arbeitsplätze, die auf 1.200

 Teilnehmer an der Western Cape Entrepreneurexpo aus Atlantis


aufgestockt werden sollen. Auch die Ansiedlung einer spanischen Fabrik ist angekündigt, die Masten für Windturbinen herstellen und 20 Millionen Euro investieren will, um schließlich 200 weitere Stellen zu schaffen. Das veranlasste die Regierung des Westkaps zu der öffentlich verlautbarten Hoffnung, die Region um Atlantis könne Mittelpunkt von. Firmen der „grünen Ökonomie“ werden. Und Patricia de Lille, die Bürgermeisterin von Kapstadt, ließ sich nicht lumpen mit der Vermutung, Atlantis sei auf dem Wege der Wiedererstarkung, ließ indes auch einen neuen, aktualisierten Plan für die Entwicklung von Atlantis und Umgebung folgen.

So könnte, wenn alles gut geht oder gar noch ein bisschen besser, Atlantis, die verlorene Stadt, künftig wieder auftauchen aus der Versenkung der Vergessenheit, so, wie Platon es beschrieben hat als „glorreich und gesegnet“, „gerecht und wundervoll“ in seiner „barbarischen Herrlichkeit“, wo die Menschen „alles außer der Tugend verachteten“. Bis dahin, allerdings, wird wohl die Suche nach Atlantis weitergehen.

Gast-Blogpost von Klaus Stadtmüller