Posts mit dem Label Singapur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Singapur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

7. April 2011

Hat Ihre Urgrossmutter schon ein I-Pad?


Nein? Dann wird es aber höchste Zeit, wenn Sie mit den asiatischen Trendsettern mithalten wollen. In Singapore und Kuala Lumpur gehen in diesen Tagen die I-Pads aus. Die Geschäfte werden gestürmt. Denn es ist Qing Ming, das Fest der Ahnenverehrung, und da lässt sich ein gläubiger Chinese nicht lumpen. Die Ahnen wollen es im After Life schließlich ebenso komfortabel haben wie ihre Nachkommen im Hier und Jetzt.

So zieht die ganze Familie noch bis Sonntag auf den Friedhof und bringt den Ahnen Gaben dar. Wer kein I-Pad mehr ergattern konnte, muss mit einer Louis Vuitton-Tasche vorliebnehmen oder mit einer schmucken Villa nebst Swimmingpool. Auch ein Mercedes oder BMW wird gern gesehen. Hat man alles den Ahnen auf die Gräber gelegt, um sie günstig zu stimmen, dann werden die guten Gaben verbrannt. Welch ein Jammer um all den Luxus, werden sie ausrufen. Aber keine Sorge, alles ist nur aus Papier. Seit Wochen haben die Hersteller und Verkäufer von Papiernachbildungen all der guten Dinge, die das Leben dort und hier angenehm machen, Hochkunjunktur. Und die Ahnen sind heutzutage eben auch markenbewusst und wollen technologisch mit der Zeit gehen. Wer könnte es ihnen verdenken, spielen ihre Nachkommen doch am liebsten mit ihrem Smartphone oder I-Pad.

Foto: The Straits Times vom 7.4.2011

18. März 2011

Viel deutsches Heu in Singapur


Vor einigen Tagen feierte Singapur die Eröffnung seiner zweimonatigen Kunst-Biennale mit Werken von 50 heimischen und internationalen Künstlern an vier Standorten der Stadt. Viele Objekte sind Auftragsarbeiten des wohlhabenden Stadtstaats, so auch die Installation des dänisch-norwegischen Duos Michael Elgreen und Ingar Dragset. In einen Hangar des alten Flughafens im Singaporer Stadtteil Kallang stellten die beiden eine deutsche Scheune komplett mit rotem Tor und Hirschgeweih darüber, wie aus Grimms Märchen. Drinnen ist fast bis zur Decke Heu aufgestapelt, auf und in dem sich die Besucher tummeln können. Am besten bringen sie ihre Lederhose mit. Nicht vergessen wurde ein Bord mit bayrischen Bierseideln. Die Raktionen der Besucher, wie sie in der Zeitung The Straits Times treulich rapportiert werden, schwanken zwischen belustigt und befremdet. Angesichts des schwarz-weißen Fachwerks der Scheune ging einem klugen Kopf ein Licht auf. Nun verstehe er, warum Singapurs schwarz-weiße Villen aus der britischen Kolonialzeit bei expats so beliebt seien. So schafft die moderne Kunst mühelos,was Singapur mangels eines örtlichen Oktoberfests bisher versagt blieb: einen differenzierten Einblick in das Deutschland von heute zu vermitteln. Lang lebe das Klischee und seine geschäftstüchtigen Vermarkter! Ein anderes eigens zur Biennale errichtetes Gebäude kommt witziger daher. Die japanische Künstlerin Tatzu Nishi hat das Wahrzeichen der Stadt, den Merlion, der oben Löwe ist und unten herum wie die kleine Seejungfrau einen Fischschwanz trägt, mit einem Kubus umbaut, der innen als Hotelzimmer ausgestattet ist. Nun kann man während zwei Monaten dicht beim Fischlöwen wohnen, und der selbst schaut für diesmal aus einem gepflegten Apartment aufs südchinesische Meer.


Fotos: German Barn: The Straits Times, Today / Hotel Merlion: Ausstellungskatalog

17. März 2011

Literatur aus Singapur - Nachrichten von der Insel

Singapur hat keine Lesekultur, klagt Wayne Chou. Der Chef der Buchhandelskette Popular muss es wissen. Er richtet das jährliche BookFest aus, zusammen mit der China Publishing Group aus Mainland China, das man umwirbt, sind doch 75% der Singapurer in den letzten 200 Jahren von dort zugewandert. Die Messehalle ist gerappelt voll und scheint Chou zu widerlegen. Ganz so schlimm kann es um die Leselust nicht bestellt sein. Davon zeugen nicht nur die Buchhandlsketten mit ihren Verkaufsflächen in glitzernden Einkaufszentren. Auch einige kleinere Buchläden mit ambitioniertem Programm können in dem fünf Millionen Einwohner zählenden Inselstaat überleben. Managerin Sheela ist nach den ersten Monaten ihres Ladens Littered With Books mit dem Verkauf zufrieden. Ihre Bücherstube in einem alten chinesischen Shophouse lädt zum Schmökern ein.
Schmal sind überall die Regale mit Literatur aus Singapur. Die Verkehrssprache der früheren britischen Kolonie ist Englisch, das sich gesprochen mit den chinesischen Dialekten der Einwanderer und dem Malaiisch der örtlichen Minderheit zum Singlish verbindet. So wird der Buchmarkt von anglo-amerikanischer Literatur beherrscht. Doch gibt es eine lebendige lokale Literaturszene in englischer Sprache. Sie wird staatlich gefördert. Im kompetitiven öffentlichen Leben Singapurs ist es für die Autoren nicht leicht, sich eine kritische Stimme zu bewahren. Vor allem Kurzgeschichte und Drama haben aber ihren Platz als eigenständige literarische Ausdrucksformen in Singapur gefunden....
Lesen Sie mehr über Novelle, Satire, Krimi und Co. von der asiatischen Insel unter http://www.litprom.de/literaturnachrichten.html , Nr. 108, S.37.
Foto: Littered With Books

31. Januar 2011

Glück und Geld auf Chinesisch

Pünktlich zum Neuen Jahr melde ich mich zurück - zum Chinese New Year, mit der Liebe zu Abkürzungen in Singapur kurz CNY genannt. Für Chinesen hat Glück nicht zuletzt mit Wohlstand und Geld zu tun. Deshalb kommt der Gott des Good Fortune und bringt Goldenes. Die Form erinnert an kleine Schüsseln mit eim Berg Reis darin und ist alten chinesischen Goldstücken, den yuan bao, nachempfunden. Man schenkt einander hong bao, rote Tütchen mit Münzen und hängt rote Papierdekorationen ins Haus, mit den Schriftzeichen fu und chun für Glück und Frühling, ist es doch auch ein Frühlingsfest, selbst im tropischen Singapur. Die Stadt ist seit Wochen in Rot und Gold getaucht, überall hängen rote Lampions und alle Einkaufszentren - hier auch so etwas wie Kulturträger - überbieten sich in Events für CNY, von der Tanzgruppe aus China über Vorführungen von martial arts bis zu Geschichten rund um den Hasen, der im chinesischen Zodiac das kommende Mondjahr bestimmt. Üppige Festmahle werden fürs Neujahrsdinner mit der Familie angeboten, auf denen die Abalonemuschel nicht fehlen darf, kein Wunder, dass sie weltweit überfischt, bedroht und entsprechend teuer ist.

Höhepunkt sind aber die Umzüge am Vorabend in Chinatown und vor allem der Löwentanz. Dafür proben die chinesischen Clan-Gesellschaften seit Wochen. Und auch das altmodische Geschäft des Löwenkostüm-Herstellers ist noch nicht ausgestorben. Meister Henry NG hat Saison. Wenn es auch weniger wird. Vor Jahrzehnten machte er noch 100 Kostüme auf Bestellung, heute nur noch 30 bis 40. In den Löwen schlüpfen dann zwei bis drei trainierte junge Männer und lassen ihn durch die Straßen tanzen, hoffnugsvoll ins Neue Jahr.

Mit Fifi Lapin, der Modberaterin der Saison im shopping- und modeverrückten Singapur schaue ich in meinen Kleiderschrank, was ich denn zum festlichen Neujahrsdinner bei chinesischen Freunden tragen könnte. Eines ist klar, es darf nicht die sonst so beliebte Farbe schwarz haben, das bringt Unglück. Etwas Rotes sollte es sein. Und ich werde Orangen mitbringen, denn die sind golden und verheißen Wohlstand, aber nicht drei oder sieben, eine gerade Zahl muss es sein, sonst... Sie raten es, es geschähe ein Unglück. Sollte ich mir zu diesem Anlass vielleicht ein neues Auto zulegen? VW, nicht faul, nutzt die Gelegenheit und bringt eine limitierte Serie seines Golfs heraus: Golf Rabbit, natürlich rot. Ob das weiße Kaninchen im Rückfenster mitgeliefert wird? Da verwundet es nicht, dass 2010 deutsche Autos erstmals die japanischen überholt haben und die meistverkauften Autos in Singapur sind.

Foto von Henry Ng: The Straits Times 15.1.2011, Foto: Lau Fook Kong
Foto VW: www.golfrabbit.com.sg

30. Dezember 2010

Singapur liest



Den tropischen Stadtstaat am Südchinesischen Meer verbindet man eher mit Hochhausdschungel und Einkaufsparadies als mit Büchern. Doch jährte sich im Dezember 2010 zum fünften Mal das Singapore Bookfest. In einer Halle des Suntec Convention Centre bot Popular Holding, die Buchhandelskette mit Verlag, auf 9.300 m² Fläche 200.000 chinesische und englischsprachige Titel an.


Partner war die China Publishing Group aus der Volksrepublik China, Bestseller das Marathoninterview des amerikanischen Journalisten Tom Plate mit Lee Kuan Yew, dem Architekten der Erfolgsstory, die Singapur heißt.



Lesen Sie mehr über meine Eindrücke und mein Interview mit den Messeverantwortlichen unter http://www.boersenblatt.net/407968/

6. Dezember 2010

Hochhausdschungel im Tropenparadies

Affen turnen in den Bäumen, Vögel flöten, und zwischen Lianen schimmert grünlich ein See. Wären nicht die morgendlichen Jogger und die diskreten Schildchen an Bäumen und verschlungenen Rankpflanzen, ich wähnte mich mitten im Tropenschungel Südostasiens. Doch ein paar Wegbiegungen weiter auf dem Wanderpfad im Urwaldpark und ein anderer Dschungel ragt im Hintergrund auf, die Hochhauskulisse von Singapur. Meine amerikanischen Expat-Freunde kann ich mit dem Blick vom Balkon meiner Wohnung im 19. Stock beeindrucken. Du siehst ja auf die Nature Reserve! Sie sind begeistert. Tatsächlich entfaltet sich vor unseren Augen ein Bild wie es für diesen Stadtstaat am südchinesischen Meer so typisch ist. Vorne eine große Einkaufsplaza, drum herum in üppiges Grün eingebettete Villen, dahinter das dunkelgrüne Band des Naturparks, das aus dieser Höhe wie ein riesiges Broccolifeld aussieht und am Horizont die Wolkenkratzer, höher, kühner, gleißender. Abends glitzern die Lichter der Stadt über dem dunklen Band des Urwalds.

Singapur hört nicht auf zu bauen. Doch es bleibt grün. Eine umsichtige Bauverwaltung sorgt dafür, dass nicht alles regellos zugebaut wird. Die Fußgängerbrücken über die Hauptverkehrstraßen sind mit Bougainvillea bepflanzt, auf den Mittelstreifen wachsen Palmen und blühende Sträucher. Selbst die HDBs, die Hunderte von staatlich geförderten Hochhaussiedlungen, in denen die Mehrzahl der Singapuris wohnt, sind in Grünanlagen eingebettet. So bewahrt sich diese Enklave, die kaum in die Breite, nur in die Höhe wachsen kann und wie der Punkt unter dem Ausrufezeichen der malaiischen Halbinsel wirkt, ein menschliches Antlitz. Dazu trägt auch die ethnische Mischung bei. Chinesinnen im westlichen Büro-Outfit, das i-Phone in der Hand, sitzen in Bus und U-Bahn neben verschleierten, muslimischen Malaiinnen, die ebenso gebannt auf das Display ihres Mobiltelefons starren und neben Inderinnen im wunderschönen, goldbestickten Sari.