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11. März 2017

Ein langer, mühseliger Weg zum Lernen

Im staubtrockenen Nordkap, der flächenmäßig größten Provinz von Südafrika, sind die Siedlungen weit verstreut und die Wege lang. Wenn die Kinder im Tankwa-Karoo, der großen Halbwüste des Nordkaps, in die Schule  wollen, geht es im Wortsinn über Stock und Stein, und das stundenlang. Wind, Sand und Steine.

Jan und Anna Krots sind trotz aller Widrigkeiten entschlossen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. So machen sich Elmarie, Appie, Diederik und Lena auf den viele Stunden und 114 Kilometer langen, mühseligen Weg in die Farmschule in Elandsvlei (Elandstal). Nachdem die letzte nähere Farmschule geschlossen worden war, blieben die fünf Krots-Kinder fünf Wochen lang in unfreiwilligen Ferien zuhause, weil sie keinen Transport hatten. Zu fern und zu teuer seufzt Mutter Anna. Es kostete Überwindung und brauchte Hilfe aus der Nachbarschaft, die Kinder wieder auf den Schulweg zu bringen. Die Schule ist mit einem Wohnheim verbunden, das aber ein ganzes Stück entfernt ist. Zweimal im Monat dürfen die Internatsschüler für ein Wochenende nach Hause. In den von Armut, Alkoholmissbrauch und häuslicher Gewalt bedrängten ländlichen Gemeinden ist es besonders wichtig für die Kinder, den Anschluss an die Schulgemeinschaft nicht zu verlieren. 

Das erste Stück legen sie auf dem Eselkarren zurück. Die Sonne brennt auf ihre kleinen Schädel, die Esel und der Karren kämpfen sich durch das Geröll am schmalen Saumpfad, und der heftige Wind treibt allen den Sand in die Augen. Nach zwei Stunden erreichen sie den ersten Haltepunkt, wo sie mit anderen Kindern für die nächsten 50 Kilometer einen bakkie, den in ganz Südafrika verbreiteten offenen pick up besteigen. Die letzten 25 Kilometer zwischen ihrem Wohnheim und der Farmschule können sie dann im täglich verkehrenden Schulbus zurücklegen. Manchmal kommen sie auch am zweiten Freitag im Monat nicht nach Hause und verbringen das Wochenende bei Familien in einem näheren Dorf. 

Nur wenn die ganze Kette von Fahrzeugen und freiwilligen Helfern funktioniert, können Elmarie, Tokkie und die anderen Kinder in die Schule gehen. Lernen ist für sie und ihre Eltern etwas Kostbares. Ich dulde keine schlechten 

Schulnoten, betont Anna Krots. Ihr Ältester, Tokkie, ist der Farmschule inzwischen entwachsen und muss ins Schulheim nach der Stadt Ceres. Den Transport muss sie noch finden. Sie weiß, dass der einzige Weg aus dem Kreislauf von Armut und Gelegenheitsarbeit auf den Farmen die Schule ist.








Ein Schulfoto der Farmschule Elandsvlei im Tankwa-Karoo
Der Eselskarren, Transportmittel im Nordkap
Elmarie, Appie, Diederik und dahinter Lena auf dem Schulweg

Quellen: Die Burger, 28.1.2017, Buch: Leti Kleyn (Text), Adriaan Oosthuizen (Fotos), Briewe uit die Karoo (Briefe aus dem Karoo), Kapstadt: Protea Boekhuis 2016

21. April 2016

Die ersten Menschen 2



Offiziell heißen sie Khoi-San, und die Bezeichnung Buschmann gilt als rückständig bis rassistisch, aber Ohm Petrus Vaalbooi sieht das anders. Was soll der Quatsch?, fragt er. Ich bin ein Buschmann. So habe ich das mit der Muttermilch eingesogen. Petrus ist einer der wenigen, die die alten Gebräuche und die Lebensweise der Buschmänner hier im südafrikanischen Teil der Kalahari nördlich von Upington noch aufrecht erhalten. Doch auch er weiß, wir können nicht mehr zurück und wieder ganz Buschmänner sein. Wir versuchen, mit der Verwestlichung, die unsere Lebensweise unterminiert, und der Modernisierung zusammenzuleben und unsere Werte und unsere Kultur zu erhalten.

Er selbst lebt noch soweit er kann nach der alten Weise, zeigt wie Feuer gemacht wurde, kocht im Freien, hat sein Messer selber gefertigt. Sein Vater konnte noch Spuren lesen. Er kannte die Medizinpflanzen und die essbaren Feldfrüchte. Einen Bock konnte er aus 200 Metern Entfernung schießen. Die Jungen können das nicht mehr, und den Kaffee machen sie auch nicht mehr aus den Wurzeln des Wigatbaums. Sie mahlen auch nicht mehr die getrocknete Schakalleber als Mittel gegen Rheumatismus. 

Eine Frau zu freien, erzählt Petrus, war nicht so einfach in den alten Tagen. Erst machte der  Freier einen Liebesbogen, kleiner als die normalen für die Jagd benutzten Bögen. Bei einem Tanz schoss er auf seine Angebetete heimlich mit dem kleinen Pfeil vom Liebesbogen, ein rechter Amor. Die junge Schöne hielt nun ebenso heimlich Ausschau, wer wohl geschossen hatte und brachte ihm dann den Pfeil zurück. So ermutigt, machte er seine Bett neben ihr in ihrem Kraal zurecht, aber die Alten jagten ihn weg. Er musste erst einen Bock schießen. Das konnte manchmal Wochen dauern. Große Freude, wenn er mit einem Bock zurückkam, denn nun war klar, dass er die junge Frau würde ernähren können. Dann baute er eine Grashütte, in der die Verlobten einige Zeit  getrennt voneinander schliefen. Wenn du nun fühltest, es ist rechte Zeit, um ein Kind zu machen, musstest du erst noch einen Bock schießen, um zu zeigen, dass du auch ein Kind ernähren kannst. So kam es selten zu frühen und unerwünschten Schwangerschaften. Vielleicht ein Rezept für das heutige Südafrika, in dem Teenager Schwangerschaften ein großes Problem sind? 
 
Bildnachweise: Die Burger, 6.4.2016        
Ohm Petrus
Petrus' Feuerstelle
die selbst gemachte Messerscheide